BOCKHORN - Schritt für Schritt geht es mit der Rekonstruktion des Woppenkamper Schwertes weiter. Der Bockhorner Kunstschmied Bernhard Nitz präsentierte jetzt dem Vorstand des Vereins für Heimatgeschichte eine Testklinge. Sie dient als Vorlage für das komplizierte Schmieden des Nachbaus, bei dem jeder Vorgang akribisch dokumentiert werden soll, um so später den seltenen Fund in seiner ganzen heimathistorischen Bedeutung vorstellen zu können.
Neue Erkenntnis
Den Vorstand mit Margrit Hayen, Ewald Spiekermann und Reiner Kohlwes begleitete der Archäologe Dr. Haio Zimmermann: „1904 war das originale Schwert in Woppenkamp gefunden worden, es entstammt dem Frühmittelalter um 725 bis 800 und war einer hochgestellten Persönlichkeit ins Grab gelegt worden.“ Nitz wies auf eine neue Erkenntnis nach Röntgen-Untersuchungen hin: „Der Knauf ist umgebogen worden.“ Für Zimmermann keine Überraschung: „Wiedergänger (Gespenstererscheinungen) gehörten damals zur Vorstellungswelt. Sie sollten nicht gleich über einsatzfähige Waffen verfügen.“
Bei der schmiedetechnischen Rekonstruktion geht es Nitz und Zimmermann vor allem darum, die alte Technik genauestens nachzuempfinden. Der Schmied ist in seinem Element, wenn er von Klingenkern und Schneidleistenmontage für die Feuerschweißung spricht. Aber alles will er von seinem Geheimnissen noch nicht preisgeben, die Arbeit will erst getan sein. Die normalen Methoden, die Nitz sonst bei seinen Damaszener-Schwertern anwendet, greifen hier nicht, neue Technik wie Lufthämmer gab es im Mittelalter nicht.
„Methode C“
Aber er kommt voran, die „Methode C“ wird es bringen, sie hat er schon einmal beim Nachbau einer Lanze umgesetzt. Am Ende wird die Klinge eine Länge von 700 Millimetern haben bei einer maximalen Breite von 58 Millimetern. Dann geht es weiter mit dem Härten, Schleifen und mit dem Polieren. Nitz: „Dafür wird Hammerschlag verwendet, gemahlen und mit Seesand versetzt.“ Zimmermann: „Genau dieser Hammerschlag ist in Töpfen in alten Schmieden gefunden worden.“
Die Muster der Zierleisten, hergestellt aus tordierten Stahlstäben, müssen durch Ätzen zum Vorschein gebracht werden. Nitz experimentiert mit Fruchtsäuren, wie sie im 8. Jahrhundert in dieser Gegend verwendet worden sein könnten.
