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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Boeings Dreamliner wird zum Albtraum

18.01.2013

Washington /Tokio Flugverbot für Boeings „Dreamliner“: Der Vorzeigeflieger des US-Flugzeugbauers darf wegen Brandgefahr vorerst weltweit nicht mehr abheben. Behörden in den USA, Europa und anderen Ländern haben das Flugzeug aus dem Verkehr gezogen.

Boeing könnte das Problem teuer zu stehen kommen. Die polnische Fluggesellschaft LOT denkt bereits laut über Schadenersatzforderungen nach. Auslöser für das behördlich verhängte Flugverbot ist die Notlandung eines „Dreamliners“ in Japan, in dem eine Batterie geschmort hatte. Bevor eine der Maschinen wieder starten darf, muss die Sicherheit der Batterien nachgewiesen werden. Noch ist das Problem nicht gelöst.

Als erste Institution sprach die US-Luftfahrtbehörde FAA in der Nacht zum Donnerstag ein Flugverbot aus. Es war das erste Mal seit 34 Jahren, dass die FAA ein Flugverbot für alle Maschinen eines Typs verhängt hat. Die Aufseher in Japan, Europa, Indien, Katar und Chile schlossen sich an. Die japanischen Gesellschaften All Nippon Airways (ANA) und Japan Airlines (JAL) hatten bereits am Mittwoch kurz nach der Notlandung der ANA-Maschine im japanischen Takamatsu vorerst alle Flüge mit dem „Dreamliner“ ausgesetzt.

Die einzige europäische Airline mit dem „Dreamliner“ in ihrer Flotte, die polnische LOT, prüft möglichen Schadenersatz wegen des Flugverbots für den Langstreckenjet. „Wir zählen jetzt die Kosten für den Flugausfall und die Ersatzmaschinen und erwägen, von Boeing eine Entschädigung zu verlangen“, sagte Sprecher Marek Klucinski am Donnerstag. „Wie lange die technische Überprüfung dauert und wann die Dreamliner wieder fliegen können, steht noch nicht fest.“

Boeing bedauerte die Ereignisse, steht aber weiterhin zu seinem jüngsten Flugzeugmodell. „Wir sind überzeugt, dass die 787 sicher ist“, sagte Boeing-Chef Jim McNerney. Das Unternehmen arbeite mit der FAA und anderen Behörden daran, so schnell wie möglich Antworten auf die drängenden Fragen zu finden.

US-Experten wollen nun in Japan den Pannenflieger unter die Lupe nehmen. Das könnte aber schwierig werden. „Niemand kennt die Lösung, weil niemand weiß, wo das Problem liegt“, so der ehemalige FAA-Sicherheitsexperte John Goglia. Das hochmoderne Flugzeug ist stärker als ältere Modelle auf Strom angewiesen. Viele hydraulische Systeme wurden durch Computersteuerungen ersetzt.

Der europäische Flugzeugbauer Airbus äußerte sich am Donnerstag ohne Schadenfreude zu dem Desaster bei seinem Konkurrenten. „Boeing wird dieses Problem in den Griff bekommen“, sagte Airbus-Chef Fabrice Brégier in Toulouse. „Ich würde nicht auf die Probleme der Konkurrenz wetten, um den eigenen Erfolg zu sichern.“

Bereits in der Vorwoche hatte eine Batterie eines am Boden stehenden „Dreamliners“ der JAL Feuer gefangen, zudem verlor ein Flugzeug vor dem Start 150 Liter Treibstoff. Weiter ging die Pannenserie mit einer Störung des Bremscomputers an einem ANA-Jet, einem Ölleck und einem spinnennetzförmigen Riss in einem Cockpit-Fenster. Deutsche Airlines haben bisher keine Dreamliner.

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