BöSEL - Die Aufregung um das Bordell in Bösel hat sich auch gut zwei Wochen nach dessen Eröffnung noch nicht gelegt. Im Gegenteil: Dass der Hostessen-Dienst schon jetzt angelaufen ist, sorgt für zusätzlichen Zündstoff. Denn der Antrag auf Nutzungsänderung für die Räumlichkeiten in der Schäferstraße ist längst noch nicht bewilligt. Die Frist zur Prüfung läuft erst in Kürze ab.

Der Landkreis, der über den Antrag zu befinden hat, hält sich angesichts des schwebenden Verfahrens momentan bedeckt. Warum geduldet wird, dass das Bordell seine Türen geöffnet hat, obwohl weiterhin die offizielle Genehmigung aussteht, bleibt seitens des Landkreises unkommentiert.

„Vorschriften sind dafür da, dass sie eingehalten werden. Es kann nicht sein, dass der Betrieb einfach aufgenommen wurde, obwohl noch keine definitive Entscheidung gefallen ist“, schimpft Ratsmitglied Heiko Thoben (CDU). Seiner Meinung nach hätte der Termin für die Bekanntgabe des öffentlichen Beschlusses abgewartet werden müssen. Dies habe übrigens für jedes Gewerbe zu gelten – „nicht nur für das horizontale“.

Störfaktor für Idylle

Abgesehen von diesem strittigen Sachverhalt bleibt Thoben bei seiner ablehnenden Haltung in Sachen Bordell. „Ich sehe diese Einrichtung als klaren Störfaktor für unsere ländliche Idylle hier in Bösel“, so Thoben. Er werde daher alle ihm „zur Verfügung stehenden Mittel“ nutzen, damit das Etablissement wieder aus der Gemeinde verschwindet.


Genauso sieht es der 1. stellvertretende Bürgermeister Reinhard Lanfer (CDU): „Selbst wenn die Nutzungsänderung genehmigt werden sollte, werden wir dies nicht so einfach hinnehmen. Wir würden es notfalls auch auf einen Rechtsstreit ankommen lassen.“ Er will die Niederlassung des Etablissements in Bösel auf keinen Fall akzeptieren, stellt dieses doch aus seiner Sicht „eine Gefahr für die Menschen- und Frauenwürde“ dar.

Während die Politik auf juristischem Wege gegen den Betreiber vorgehen will, planen erboste Anwohner in der Schäferstraße, sich mit eigenen Methoden zur Wehr zu setzen. „Natürlich haben wir uns schon einige Gegenmaßnahmen überlegt“, verrät Anja Schulte. In die Karten gucken lässt sie sich indes nicht. „Wie unser Protest aussehen wird, werde ich nicht verraten. Schließlich wollen wir keine Vorwarnung geben“, gibt sie sich geheimnisvoll.

Zunächst Zurückhaltung

Mit ihrem Vorhaben wollen sich die Anwohner aber noch etwas zurückhalten. „Wir werden nichts unternehmen, bis die Politik einen endgültigen Entschluss gefasst hat. Wer weiß, vielleicht löst sich das Problem ja von alleine“, sagt Anja Schulte.

Ob sich jedoch die gesamte Nachbarschaft an der Protestaktion beteiligen wird, ist ungewiss. Eine andere Anwohnerin zeigte sich versöhnlich: „Also ich bekomme kaum etwas von dem Bordell mit. An der Vordertür soll mittlerweile ein Schild hängen, dass die Kundschaft bittet, den Hintereingang zu benutzen. Wenn dann noch der angekündigte Zaun gebaut wird, denke ich, dass man nicht mehr viel davon sehen oder hören wird.“

Fraglich ist, ob sich die übrigen Nachbarn wirklich mit dieser Lösung zufrieden geben. Nur eines scheint sicher: Das Thema „Bordell“ wird die Gemeinde Bösel noch eine Weile beschäftigen.