Bösel - Auf die Bremse treten muss die Gemeinde Bösel bei der Entwicklung des Gewerbegebiets Südkamper Ring in Bösel: Grund ist die Brutvogelkartierung. Wohl erst im Herbst nächsten Jahres werden sich die politischen Gremien erneut mit dem Gebiet befassen können, rechnete Bürgermeister Hermann Block am Montagabend im Ausschuss für Wirtschaft, Umwelt, Planung Bau und Verkehr vor. Gleiches gelte im Übrigen für die Wohnbauentwicklung im Bereich Jägerstraße.
Auf eine Fledermauskartierung wird man dagegen wohl verzichten können, führte Thomas Homm vom Planungsbüro Topos aus. Grund dafür ist, dass die vorhandenen Gehölze soweit wie möglich beibehalten werden sollen – auch das Waldgebiet im nördlichen Bereich.
Anwohner an das Plangebiet hatten in ihren Stellungnahmen zur Öffentlichkeitsbeteiligung zunächst die Verkehrserschließung, die möglicherweise über den Südkamper Ring laufen sollte, kritisiert. Nunmehr hat die Gemeinde Bösel allerdings ein Grundstück erworben, über das die Erschließung in der Verlängerung der Franz-Meyer-Straße verlaufen soll. Eine Bedarfszufahrt soll jedoch vom Südkamper Ring geschaffen werden. Von dort aus soll ein Geh- und Radweg ins Gebiet führen. Für diesen wird aber eine breitere Fläche frei gehalten, damit sie als Notaus- und zufahrt für den Verkehr etwa im Brandfall, bei anderen Notfällen oder Straßenreparaturen dienen kann.
Die Verkehrsbehörde des Landkreises hatte eine Zufahrt über die K 300 (Thüler Straße) abgelehnt. Obgleich Bürgermeister Hermann Block die Chancen, eine Anbindung an die K 300 zu erhalten, als gering betrachtet, sollen weitere Gespräche geführt werden. Das Thema soll auf der nächsten Sitzung der Verkehrskommission behandelt werden.
Für das rund 7,5 Hektar große Gebiet muss ein Regenrückhaltebecken gebaut werden. Der Ausschuss wie auch Bürgermeister Block sprachen sich dafür aus, das Regenrückhaltebecken im Dreieck zwischen dem vorhandenen Graben und dem Südkamper Ring zu erstellen. Das Wasser wird über ein Drosselbauwerk in den Böseler Kanal abgeleitet.
Die zweite Variante wäre gewesen, das bestehende Rückhaltebecken in Richtung Norden zu erweitern. Allerdings hätte dazu der Graben umgelegt werden müssen. Der Eingriff in Natur und Landschaft wäre aber deutlich größer. Und zudem erhalten die Anwohner zum neuen Gewerbegebiet einen Puffer. Die Kosten alleine für die Entwässerung belaufen sich in der angestrebten Variante auf rund 252 000 Euro, muss doch auch ein Absetzbecken errichtet werden.
Mit großen Lärm- und Geruchsbelästigungen – wie von Anliegern vorgebracht – rechnen die Fachplaner nicht. Der Lärm darf 60 Dezibel am Tag und 45 in der Nacht nicht überschreiten, wird im Bebauungsplan festgesetzt.
Ein aktuelles Geruchsgutachten hatte gezeigt, dass der maßgebliche Geruchswert von 15 Prozent für Gewerbegebiete eingehalten wird. Lediglich am westlichen Rand seien Werte von bis zu 16 Prozent errechnet worden – allerdings liegen diese Bereiche zum Teil innerhalb der Bauverbotszone von 20 Metern zur K 300.
Block machte deutlich, dass es voraussichtlich im Sommer 2019 erneut die Gelegenheit geben werde, im Zuge der Öffentlichkeitsbeteiligung Bedenken zu äußern. Der Ausschuss empfahl dem Gemeinderat die Zustimmung zum Entwurf für den Bebauungsplan sowie die Änderung des Flächennutzungsplans.
