Bösel - Dass der Haushalt nur eine geringe Halbwertszeit haben würde, war dem Böseler Gemeinderat schon im Januar klar. Auf seiner nächsten Sitzung am 28. Oktober wird sich der Rat mit einem Nachtragshaushalt befassen. Insbesondere erhebliche Mehreinnahmen bei der Gewerbesteuer durch Einmaleffekte, aber auch Veränderungen im investiven Bereich machten den Nachtrag erforderlich, informierten Bürgermeister Hermann Block und Kämmerer und Allgemeiner Vertreter Rainer Hollje.

Hatte die Verwaltung bei der Aufstellung des Haushalts noch vorsichtig mit Gewerbesteuereinnahmen in Höhe von 3,8 Millionen Euro gerechnet, werden sie voraussichtlich rund 8,8 Millionen Euro in die Kasse der Gemeinde spülen – insbesondere durch Sondereffekte eines Gewerbesteuerzahlers, so Block und Hollje.

So positiv diese Mehreinnahmen auch sind, haben sie auf der anderen Seite auch negative Auswirkungen: Denn die Gemeinde wird in den kommenden zwei Haushaltsjahren deutlich höhere Kreisumlagen zahlen müssen. Zudem hatte die Gemeinde bislang aus der Finanzausgleichsumlage des Landes profitiert. „Wir werden künftig einzahlen müssen“, machte Bürgermeister Block mit Blick auf die Zahlen deutlich.

Laut Vorausberechnungen wird die Gemeinde eine Umlage von 120 000 Euro zahlen müssen. Die Kreisumlage wird sich im Haushaltsjahr 2020 voraussichtlich um rund 120 000 Euro erhöhen. Im Haushaltsjahr 2021 rechnet die Gemeinde mit einem weiteren Anstieg um rund 540 000 Euro.

Positiv auf den Haushalt hat sich in diesem Jahr der gute Verkauf von Wohnbaugrundstücken ausgewirkt. „Derzeit stehen keine Grundstücke mehr zum Verkauf bereit“, stellte Rainer Hollje fest. Die Gemeinde setzt daher auf die zügige Entwicklung des Baugebiets „Südlich der Jägerstraße“, in dem rund 100 Bauplätze entstehen werden.


Rund 780 000 Euro werden hier zusätzlich in diesem Jahr für die Erschließung des neuen Baugebiets – die wird in vier verschiedenen Abschnitten erfolgen – investiert: Noch in diesem Jahr startet die Erschließung, die Arbeiten sind bereits ausgeschrieben. Die Gemeinde rechnet mit Gesamtkosten in Höhe von rund 4,46 Millionen Euro. Im Frühjahr 2020 werden die ersten Bauherren dann schon loslegen können. „Die Nachfrage nach Bauplätzen ist schon jetzt sehr groß“, so Bürgermeister Block.

Die gute finanzielle Situation hat zur Folge, dass die Gemeinde Bösel nicht nur den geplanten Kredit in Höhe von einer Million in diesem Jahr sowie im kommenden Jahr nicht in Anspruch nehmen wird, sondern zudem rund 1,6 Millionen Euro an Schulden tilgen kann. Damit reduziert sich der Schuldenstand zum Ende des Jahres auf 7,1 Millionen Euro, im Jahr 2020 auf geplant 6,75 Millionen Euro.

Sechs Millionen Euro an Investitionen waren vorgesehen. Allerdings werden einige Projekte in die Folgejahre verschoben.

Die Gemeinde Bösel hat den Haushaltsansatz für Mieten und Pachten um 50 000 Euro erhöht: Grund sind erhebliche Renovierungskosten für als Asylwohnungen genutzte Unterkünfte, die mittlerweile gekündigt worden sind. Die Kosten werden aber vom Landkreis ersetzt.

Ausgeplant worden ist der 100 000-Euro-Zuschuss für den Bau der Begegnungsstätte als Ersatz des jetzigen Pfarrheims. Das Projekt wird aus dem Programm Dorfentwicklung bezuschusst. Für das Haushaltsjahr 2020 soll erneut über den Zuschuss beraten werden, wenn die Finanzierungsübersicht vorliegt.

Rund 95 000 Euro investiert die Gemeinde entgegen dem ursprünglichen Haushaltsplan für die Einrichtung einer zusätzlichen Kindergartengruppe in der Kindertagesstätte St. Anna. In St. Raphael werden rund 78 000 Euro in die Einrichtung einer zusätzlichen Krippengruppe – in beiden Fällen befristet auf zwei Jahre – investiert.

Bürgermeister Block und Kämmerer Hollje weisen zudem auf die hohen in den nächsten Jahren geplanten Investitionen hin: in Bezug auf den Generalentwässerungsplan, die Städtebauförderung, den Ausbau von Wohn- und Gewerbegebieten sowie den Bau einer neuen Kindertagesstätte in Bösel.

Reiner Kramer
Reiner Kramer Redaktion Münsterland (Stv. Leitung Cloppenburg/Friesoythe)