BöSEL - Das Telefon klingelt. Xenia Nording nimmt ab, spricht mit jemandem am anderen Ende der Leitung: „Einen Moment, ich sehe mal in unserem Schlüssel-Fundus nach.“ Sie legt den Hörer beiseite, kramt einen riesigen Schlüsselbund hervor, der eigentlich aus vielen kleineren Schlüsselbunden besteht. Sie nestelt daran herum und erklärt dem Anrufer: „Nein, ein Motorradschlüssel von Suzuki ist nicht dabei. Sollte der noch abgegeben werden, melden wir uns bei Ihnen.“ Derlei Gespräche führt Xenia Nording eine ganze Reihe: Sie arbeitet als Verwaltungsfachangestellte bei der Gemeinde Bösel und verwaltet dort das Fundbüro.
Es ist schon eigenartig, was Xenia Nording in ihrem Schrank im Büro alles hortet: lauter Dinge, die irgendjemand irgendwo verloren hat. Da gibt es beispielsweise Handys, die Passanten auf der Straße aufgelesen und abgegeben haben. Da sind diverse Brillen, die vielleicht in der Schwimmhalle vergessen wurden. Dazu gibt es Uhren, zahlreiche Schlüssel – darunter Autoschlüssel mit Fernbedienung für einen VW und einen BMW. Auch Autoradios befinden sich in dem Schrank – eines ist sogar noch im originalen Karton verpackt. „Ich kann mir auch nicht erklären, wie jemand ein Autoradio verlieren kann“, sagt Xenia Nording. Eines wurde beispielsweise vor der Kirche in Bösel gefunden.
Eine Brieftasche ist ebenfalls unter den Fundsachen: 78,23 Euro sind darin, die Papiere fehlen aber. Und ein Familienfoto, das ein betagtes Paar mit Mantel, Hut und Taschen zeigt, wurde auf einem Gehweg gefunden.
Diverse Anziehsachen hat das Fundbüro ebenfalls im Fundus –beispielsweise einen giftgrünen Regenmantel für Kinder. Auch verschiedene Kinderjacken und Trainingssachen sind dabei. „Klamotten werden oft in den Turnhallen oder im Schwimmbad vergessen. Eine Kindermütze wurde auch hier bei uns im Rathaus in der Spielecke liegen gelassen.“ Besonders häufig würden Kindersachen im Fundbüro abgegeben. Darunter auch ein Nintendo DS lite, seit drei Monaten liegt die kleine Spielstation schon im Rathaus. „So etwas ist ja nicht gerade billig. Es ist schon merkwürdig, dass sich danach niemand erkundigt“, findet Nording. Eine Mutter hatte das Gerät bei einem Bäcker gefunden und zum Fundbüro gebracht. Nording: „Die Leute sind schon ehrlich, es wird wirklich viel abgegeben.“
Die meisten Sachen würden schnell wieder abgeholt, vor allem bei Schmuck sei das so. „Die Sachen liegen dann hier meistens nur wenige Tage, dann melden sich die Besitzer.“ Die müssen dann genau erklären, wie der vermisste Gegenstand aussieht und wann er wo verloren gegangen ist, um glaubhaft machen zu können, dass der ihnen auch wirklich gehört.
Bei Fahrrädern kann der Fahrradpass vorgelegt werden, um den Eigentumsanspruch nachzuweisen. 21 Fahrräder werden derzeit beim Betriebshof für das Fundbüro eingelagert. Melden sich die Besitzer nicht mehr, sollen die Räder irgendwann versteigert werden, erklärt Xenia Nording.
Die Gemeinde ist dazu verpflichtet, Fundsachen sechs Monate lang aufzubewahren. „Wir behalten vieles auch deutlich länger hier.“ So fristet ein Motorradhelm seit geraumer Zeit sein Dasein auf dem Schrank im Fundbüro.
Gibt es Anhaltspunkte, wem etwas gehören könnte, forscht Xenia Nording nach. So wurde nach dem Weihnachtsmarkt ein Ehering abgegeben: Die eingravierten Initialen und das Traudatum führten schließlich zum Besitzer. Der hatte den Verlust noch gar nicht bemerkt, weil der Ring – mittlerweile zu klein geworden – aus der Brieftasche gefallen war.
