BöSEL - Es ist kurz nach 13 Uhr. Jakob Bock kommt in die Mensa in der Haupt- und Realschule Bösel. Schnurstraks marschiert er quer durch den Raum in die Spülküche, schnappt sich eine weiße Gummischürze vom Haken und bindet sich diese um. Er schiebt die Ärmel von seinem gestreiften Pulli hoch und stöhnt beim Anblick von dutzenden dreckigen Tellern, Dessertschüsseln und rappelvollen Besteckkörben kurz auf. Dann legt er einfach los.
Er räumt das Geschirr in die Express-Spülmaschine, stellt diese an. Volkan Tan schnappt sich ein Trockentuch und trocknet die Teller ab, die gerade frisch gespült aus der Maschine kommen. John Mancera ist damit beschäftigt, die Tische in der Mensa abzuwischen – ein paar lockere Sprüche gehen ihm dabei immer über die Lippen. Er will eben ein cooler Typ sein. Auch Jana Tegeler und Schaima el Arab sind mit Aufräumen beschäftigt – sie wischen mit flinken Bewegungen die Tabletts sauber und stapeln alle übereinander.
Es sind die Schüler, die den Mensabetrieb in Bösel am Laufen halten. Mit ihrer Firma Pausenschmaus organisieren sie das Frühstück, den Kiosk-Verkauf in den großen Pausen, den Einkauf und eben das Aufräumen und Putzen nach dem Mittagessen.
Rund 40 Schüler der Haupt- und Realschule arbeiten für Pausenschmaus. Sie haben einen richtigen Vertrag, bekommen am Ende ein Zeugnis – und sie können gefeuert werden, wenn sich jemand daneben benimmt. „Das mussten wir aber noch nie machen. Über eine Abmahnung bin ich noch nie hinaus gekommen“, sagt Marlies Höne. Von der Lehrerin stammt die Idee für Pausenschmaus. Ihr war aufgefallen, dass immer mehr Kinder morgens mit leerem Magen im Unterricht saßen. Zusammen mit der Schülervertretung wurde dann ein Frühstücks-Service angeschoben: Es wurden Brötchen für die Pausen geschmiert und verkauft. Vor fünf Jahren wurde für den Ganztagsbetrieb schließlich die Mensa gebaut – und aus Pausenschmaus wurde ein florierendes Unternehmen.
Ulla Schmolke ist bei der Gemeinde angestellt und arbeitet in der Mensa. Sie zieht die Fäden, hat alles im Auge. Wer als Schüler für Pausenschmaus arbeiten will, muss sich richtig bewerben. Und die Bewerberzahl ist groß. „Es macht Spaß“, erklärt Helena Kremer. Sie steht im Kiosk an der Ausgabe und verkauft gerade Reiswaffeln. Murat Moussa ist an diesem Tag der Finanzminister: Er zählt das Geld, das beim Pausenverkauf eingenommen würden. „Ich mache hier mit, weil ich das Zeugnis haben will“, erklärt er und fügt hinzu: „Und weil es Spaß macht.“ Die Fachoberschule Wirtschaft ist sein Ziel nach dem Abschluss an der HRS.
Schon mehrfach wurde Pausenschmaus für dieses Konzept ausgezeichnet – und die Schülerfirma war auch schon Vorbild für viele andere.
Gleich ist es 13.45 Uhr. Jakob Bock hängt seine weiße Gummischürze wieder zurück an den Haken. Die Arbeit ist geschafft, die Küche ist sauber, das Geschirr glänzt – bis zum nächsten Mittag.
