Bösel - „Luft nach oben“ hat Jan Weckenborg von der Cima Beratung und Management GmbH mit Sitz in Lübeck dem Einzelhandel in Bösel in einigen Bereichen attestiert. Er stellte am Montagabend auf der Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Umwelt, Planung, Bau und Verkehr das Einzelhandelskonzept vor. Auf einstimmige Empfehlung aus dem Ausschuss wurde das in der anschließenden Ratssitzung auch beschlossen – anders als noch das Konzept aus dem Jahr 2009, das lediglich zur Kenntnis genommen worden war.

Weckenborg machte deutlich, dass das beschlossene Konzept den Bestand und die weitere Entwicklung bestehender Betriebe in Bösel nicht gefährde. Zudem sei es nicht „in Stein gemeißelt“ und müsse in „sechs bis acht Jahren“ fortgeschrieben werden.

Auf den Vorteil, das Konzept als Städtebauliches Entwicklungskonzept zu beschließen, wies Bürgermeister Hermann Block hin: Zum einen biete es Schutz für den Einzelhandel bei Entwicklungen in den Nachbarkommunen. Zum anderen diene es der Verlässlichkeit für mögliche Investoren in Bösel.

Wünsche Befragter

Zum Inhalt: Telefon- und Passantenbefragungen hatten gezeigt, dass Bösel im Bezug auf Lebensmittel gut aufgestellt ist. Ein Defizit haben Befragte im Bereich Drogerieartikel festgestellt – nur 21 Prozent gaben an, diese in Bösel zu kaufen. Der Wunsch nach Ansiedlung einer Drogerie beschäftigt die Gemeinde bereits seit Jahren. Online besonders nachgefragt werden Bekleidung, Bücher, Elektroartikel und Unterhaltungselektronik, hatte die Umfrage ergeben. Doch trotz der guten Nahversorgung in Bösel wurde häufiger der Wunsch nach einem Aldi-Markt geäußert.


Bestehender Handel

Die Cima hatte für Bösel ein Marktpotenzial in Höhe von 41 Millionen Euro ermittelt – 22,1 Millionen davon entfallen auf den täglichen Bedarf wie Nahrungs- und Genussmittel. 34 Einzelhandelsbetriebe mit einer Gesamtverkaufsfläche von 6500 Quadratmetern hatten laut Cima einen Umsatz von 24,3 Millionen erwirtschaftet. Zum Vergleich: 2009 waren es 44 Betriebe mit einer Verkaufsfläche von 6980 Quadratmetern und einem Umsatz von 20,8 Millionen Euro – allerdings nicht inflationsbereinigt, wie Bürgermeister Herrmann Block bemerkte.

Deutlich wird aber: Die Anzahl der Einzelhändler hat in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen, die Verkaufsfläche dagegen nur gering.

Kaufkraft-Flüsse

In einem starken Marktumfeld zwischen Friesoythe und Garrel fließt eine ganze Menge an Kaufkraft aus der Gemeinde ab. In Nachbarkommunen fahren die Böseler etwa, um Drogeriewaren, Bekleidung/Wäsche und Schuhe und Lederwaren zu kaufen. In der Gemeinde versorgen sie sich vor allem mit Nahrungs- und Genussmitteln, aber auch Uhren und Schmuck.

In Zahlen: Von 41 Millionen Euro Umsatz werden 1,7 Millionen Euro von Bürgern aus anderen Gemeinde in Bösel umgesetzt. 18,4 Millionen Euro fließen aber aus der Gemeinde ab – knapp 45 Prozent, bedeutet: Fast jeder zweite Euro wird außerhalb der Gemeinde ausgegeben.

Eine Tatsache, für die CDU-Ratsherr Heiko Thoben deutliche Worte fand: „Fahre nicht fort, kaufe am Ort“ – an diesen Werbeslogan eines nicht mehr existierenden Schusters in Bösel sollten sich die Böseler einmal erinnern. Vieles, was andernorts eingekauft werde, könne auch vor Ort erledigt werden. Auch die Petersdorfer, für die die Gemeinde in den vergangenen Jahren viel getan habe, sollten „den Blinker mal häufiger nach rechts (Richtung Bösel) statt nach links (Richtung Garrel) setzen“.

Versorgungsbereich

Im Gegensatz zum Einzelhandelskonzept von 2009 wird der zentrale Versorgungsbereich – also der Bereich, der vor allem für den Einzelhandel vorgehalten wird – nicht mehr die Bahnhofstraße beinhalten. Der Bereich jenseits der Rosenapotheke zählt nicht mehr zum zentralen Versorgungsbereich – dafür wurde als Potenzialfläche der Bereich westlich der Jahnstraße mit aufgenommen.

Was ist möglich?

Im zentralen Versorgungsbereich sollen vor allem Nahversorger mit Nahrungs- und Genussmitteln oder Drogerieartikeln angesiedelt werden. Großflächiger Einzelhandel mit Sortimenten wie zoologische Artikel, Möbel, Baumarkt-Artikel, Farben und Lacke, Teppiche und Bodenbeläge, Fahrräder und Zubehör, Kfz–Zubehör oder Pflanzen und Gartenbedarf (nicht zen­trenrelevant) sollten vor allem im Außenbereich angesiedelt werden, sind aber auch im Kernort großflächig möglich.

Auf der anderen Seite soll nahversorgungsrelevanter Einzelhandel nur im zentralen Versorgungsbereich angesiedelt werden, nur in Ausnahmefällen auch außerhalb. Dort sollen Geschäfte mit nahversorgungs- und zen­trenrelevanten Sortimenten nicht weiterentwickelt werden – bestehende Firmen genießen Bestandsschutz.

Combi-Erweiterung

Bei der geplanten Erweiterung des Combi-Marktes um rund 400 Quadratmeter sieht Cima „keinerlei Hinweise auf schädliche Auswirkungen des Planvorhabens“.

Reiner Kramer
Reiner Kramer Redaktion Münsterland (Stv. Leitung Cloppenburg/Friesoythe)