BöSEL - Sonntag ist bei Familie Oltmann Sprechtag. Denn Petra und Martin Oltmann sind viel beschäftigt. Damit Sabrina (22), Ramona (19) und Ingo (18) auch sicher auf offene Ohren stoßen, hatte die Familie den Sonntag für Gespräche geblockt. „Natürlich können und konnten unsere Kinder immer zu uns kommen“, sagt Petra Oltmann (45). Doch nicht immer sind die beiden daheim. Michael ist seit 20 Jahren im Vorstand des Bürgerschützenvereins aktiv – seit Anfang des Jahres sogar 1. Vorsitzender. Petra engagiert sich unter anderem im Jugendrotkreuz, beim DRK, beim Gemeindejugendring und im Heimatverein Dorf-Mitte.

„Wir haben beide viel um die Ohren. Es kommt manchmal sogar vor, dass wir uns eine Woche lang nur beim Ins-Bett-gehen treffen“, sagt Petra Oltmann und schmunzelt. Ihr Mann Martin fügt hinzu: „Ganz wichtig ist, dass so ein Engagement von der Familie getragen wird. Wenn die nicht hinter einem steht, geht das nicht.“ Martin Oltmann hat gerade gut zu tun. Denn am Wochenende ist Schützenfest. Die meisten Schützen wissen über den Ablauf Bescheid, doch auf dem Festplatz werden die ersten Fahrgeschäfte aufgebaut, dort muss der 48-Jährige gleich noch nach dem Rechten schauen.

Ans Aufhören denken beide nicht. „Solange die Familie das mitmacht und mein Körper, muss ich was tun“, sagt Martin Oltmann. „Ich könnte alles hinschmeißen, aber dann tun mir die Kinder leid“, sagt Petra und meint ihr Engagement beim Gemeindejugendring. Doch dann fügt sie mit einem Lachen hinzu: „Ehrlich gesagt: Nichtsmachen kommt für mich auch nicht in Frage.“

Die beiden haben schier unendlich viel Energie. Wo sie die herholen? Martin Oltmann: „Ich kann mich wunderbar beim Schießen entspannen.“ Petra Oltmann: „Bei mir ist es das Schminken, die Realistische Unfall-Darstellung.“ Doch auch das reicht nicht aus. „Einmal im Jahr müssen wir hier raus. Vergangenes Jahr waren wir in Århus.“ Sagt Petra. Und guckt ihren Mann an. „Freitagabend hin und Sonntagabend zurück – das reicht dann auch.“ Martin Oltmann muss auch grinsen. Die 19-jährige Ramona schaltet sich ein: „Fliegen ist toll. Und Urlaub auch.“ Skeptische Blicke der Eltern. „Das haben wir nie gelernt“, sagt Martin Oltmann.

Das Paar wohnt seit 1985 am Berliner Ring. Eigentlich wollten sie erst nach ihrer Hochzeit im Mai 1986 einziehen, doch dann war das Haus schneller fertig, die beiden entschieden sich, früher zu heiraten. „Für war klar, wir ziehen hier erst ein, wenn wir verheiratet sind.“ Pfarrer Johannes Karnbrock vermutete hinter der frühzeitigen Hochzeit eine nahende Geburt. „Dass das nicht so war, glaubte er erst, als er am eigentlichen Hochzeitstermin unser Haus weihte.“ Petra Oltmann hatte noch immer kein Kind bekommen. Während der Weihung soll der Pfarrer gesagt haben: „Jetzt glaub’ ich Euch. Jetzt glaub’ ich Euch.“