BöSEL - Hermann Holst muss mitten auf dem Weg gestanden haben, als er seinen Eindruck von Bösel festhielt. Sein Blick fällt in Richtung Norden. Der Kirchturm überragt die Gebäude im Vordergrund: links der Schuppen der alten Bäckerei Schmidt, rechts der Gemischtwarenladen Gründing. Hermann Holst war Maler. Er lebte in Bösel und hat 1948 eben dieses Bild von Bösel gemalt.

„Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich in dem Wäldchen rechts Pfifferlinge gesammelt habe. Das war auch ungefähr zu der Zeit, als Hermann Holst das Bild gemalt hat“, sagt Thea Pleye.

Die 74-Jährige ist in Bösel aufgewachsen. 1935 wurde sie geboren. Ihre Eltern hatten die Bäckerei Schmidt. Noch heute wohnt sie in unmittelbarer Nähe ihres Elternhauses an der Jahnstraße. „Ich bin hier in der Ecke geblieben.“ Ihre Kindheit verbrachte sie viel draußen in der Natur. Viel in dem Bereich, den Hermann Holst eingefangen hat. Sie war viel südlich vom Ortskern unterwegs – dort, wo jetzt der Hölker Weg lang geht. Thea Pleye hat schöne Erinnerungen an ihre Kindheit. Jenseits des Totenweges etwa hatte ihr Großvater einen „wundervollen Garten mitten im Wald“.

Wenn Thea Pleye auf das Bild über ihrem Kamin blickt, sie es etwas länger betrachtet, kommen viele Erinnerungen wieder hoch: „Man kann erkennen, dass der Schuppen nur notdürftig geflickt ist.“ Das Bild deutet an, dass auf dem Dach Dachpfannen fehlen. „Es war ja kurz nach dem Krieg. Möglicherweise hat Hermann Holst diesen Blick und die Kriegsreste als romantisch empfunden“, sagt die 74-Jährige.

Thea Pleye hat das Bild in ihr Herz geschlossen. Als sie vor etwa 20 Jahren erfuhr, dass die Familie Hagen das Bild verkaufen wollte, hat sie zugeschlagen: „Ich dachte mir, Hermann Holst kenne ich, auf dem Bild ist mein Elternhaus zu sehen, auch die Wege, auf denen ich gespielt habe. Das Bild sagt mir einfach viel.“ Thea Pleye erinnert sich wieder an die Ratten im Torfschuppen, der Duft der frisch gebackenen Brötchen steigt ihr wieder in die Nase.


Das kleine Wäldchen, in dem sie Pilze sammelte, der Garten ihres Großvaters südlich vom Totenweg – all das hat die 74-Jährige beeindruckt. Wenn sie ihren Blick vom Bild löst, schweift er in ihren Garten. Rote, weiße, rosa-farbene Rosen blühen dort. Gelegentlich lassen sich Kunden ihres Foto-Geschäftes darin fotografieren.