BöSEL - Es ist Sonnabend, 10.20 Uhr. Beim Bauhof stehen Menschen Schlange. Stehen Schlange vor einem Bauwagen. Fast alle haben leere Eimer in der Hand. Nach und nach treten sie in einen Bauwagen. Nach einer knappen Minute kommen sie wieder in die Kälte.

Spendable Verwaltung

Heiko Dohlich ist Bauhof-Mitarbeiter, seit 7.30 Uhr ist er auf den Beinen. Trotz der Kälte schwitzt er. Bianca Funke tritt zu ihm vor. Sie hat zwei Eimer dabei. Dohlich schüttet Streusalz aus einem 25-Kilo-Sack in die beiden Eimer. Bianca Funke ist dankbar: „Wir haben schon lange nichts mehr bekommen – keine Chance.“ Die Rede ist vom Streusalz. Die Gemeindeverwaltung zeigt sich an diesem Sonnabendvormittag spendabel. Jeder, der zum Räumen und Streuen verpflichtet ist, bekommt heute zehn Kilogramm Salz.

Die offizielle Ausgabezeit läuft erst seit 20 Minuten, trotzdem sind bereits 100 Eimer mit Salz gefüllt worden. Eine Tonne – 1000 Kilogramm Salz sind verteilt. Heiko Dohlich: „Die ersten waren schon um 9 Uhr hier.“

Mittlerweile ist die Schlange vor dem Bauwagen an der Salzhalle auf eine beachtliche Länge angewachsen: Rund 40 Böseler stehen in der Kälte. Reinhold Cloppenburg findet die Salzausgabe gut: „Das ist richtig so.“ Aber er fügt hinzu: „Das geht nun natürlich auch wieder mit der Verpflichtung einher, zu streuen. Bei uns haben wir keinen Gehweg, also müssen wir den 60 Meter langen Streifen auf der Straße freimachen. Dafür reichen die zehn Kilo vermutlich gerade so.“


Bianca Funke muss nicht ganz so viel eis- und schneefrei bekommen. „Ich hoffe, dass dieser Vorrat nun für den Rest des Winters reicht.“

Im Bauwagen sitzt Andreas Meyer. Einer nach dem anderen tritt vor seinen kleinen Tisch. „Name? Adresse?“ In einem DIN-A-4-Block notiert sich der Bauhof-Mitarbeiter die Angaben der Böseler. Drei Seiten hat er in den 20 Minuten schon vollgeschrieben.

Genügend Salz vorhanden

Mittlerweile sind die in 25-Kilo-Säcken abgepackten Salz-Vorräte aufgebraucht. Heiko Dohlich wischt sich mit dem Handrücken über die verschwitzte Stirn: „So, wir gehen jetzt eine Station weiter“, ruft er.

Nun steht er in ein einem Salzberg. Lilli (5) und Max (5) sind mit Vater Michael Beckert mitgekommen und müssen staunen. „Ganz schön viel Salz“, sagt Lilli. Ihr Vater ist froh. Denn er muss nun nicht mehr mit dem knapp gewordenen Speisesalz streuen.

Im Vorfeld hatte Bauamtsleiter Hermann Walter vermutet, dass die Gemeinde etwa fünf Tonnen Salz ausgeben wird. Vorarbeiter Thomas Wichmann: „Wir haben genug Salz, keiner wird ohne nach Hause gehen müssen.“ Der Berg hinter Dohlich ist noch groß. Etwa 27 Tonnen Salz hat die Gemeinde um 10.30 Uhr noch.

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