Bösel - Dass es in Bösel etwa um Bereiche der Bahnhofstraße nicht sonderlich gut bestellt ist, mag nicht verwundern. Die Leerstände sind ein deutliches Indiz. Die Bahnhofstraße ist ein Kernbereich, in den in den nächsten Jahren viel Geld investiert werden muss. Hoffnung auf reichlich Zuschüsse macht das Förderprogramm „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“. Sollte die Gemeinde in dieses Programm aufgenommen werden, sei das „ein Meilenstein“, betonte Bürgermeister Herrmann Block am Mittwochabend im Planungsausschuss der Gemeinde Bösel.
„Wir haben schon vor 25 Jahren im Rat darüber gesprochen, dass die örtliche Situation in der Bahnhofstraße verbessert werden muss. Offenbar ist jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen“, sagte Ludger Beeken (CDU). „Wir können jetzt nur noch hoffen, in die Städtebauförderung aufgenommen zu werden.“
Viel Antragsformalitäten sind dafür notwendig – Arbeit, die die Verwaltung alleine nicht leisten könne, betonte Block. Daher hatte sich die Gemeinde Unterstützung geholt bei der DSK GmbH sowie der Firma Plan-werkStadt.
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Was kann gefördert werden |
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Wie Torben Pöplow (DSK) im Ausschuss erklärte, gehe es in dem Programm darum, den öffentlichen Raum aufzuwerten, ortsbildprägende leerstehende oder ungenutzte Gebäude instandzusetzen oder zu modernisieren sowie auch fehl- oder mindergenutzte Gebäude und Flächen aufzuwerten. Auch private Vorhaben im Sanierungsgebiet können profitieren.
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Was ist das Sanierungsgebiet |
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Das Sanierungsgebiet wurde im Gegensatz zum Untersuchungsgebiet vor allem südlich der Bahnhofstraße enger gezogen – auf nunmehr 12,4 Hektar (s. Karte). Dieser Geltungsbereich ist aber noch nicht in Stein gemeißelt – dafür muss noch ein förmlicher Satzungsbeschluss her –, allerdings ist nur noch eine Reduzierung des Bereichs möglich. Der Pfarrheim-Neubau könnte, falls die Kirchengemeinde in der Dorferneuerung zum Zuge kommt, aus dem Geltungsbereich herausgenommen werden. Im Katalog der Städtebauförderung ist das Pfarrheim mit pauschal 300 000 Euro eingeplant.
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Was bedeutet das Programm für die Anwohner |
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Im Grundbuch der jeweiligen Anwohner wird ein Sanierungsvermerk eingetragen. Wer an seinem Haus, das im Sanierungsgebiet liegt, etwas (genehmigungspflichtig) verändern möchte, muss das künftig mitteilen.
Und die Kosten? Beispiel Bahnhofstraße: Diese müsste die Gemeinde in den nächsten Jahren sanieren – im Regelfall kommen auf die Anlieger dabei Straßenausbaubeiträge in Höhe von 30 Prozent zu. Diese dürfen im Programm aber nicht erhoben werden. Dafür beurteilen Experten nach dem Abschluss des Sanierungsprogramms, wie sehr die Bodenrichtwerte durch die Sanierung gestiegen sind. Die Differenz zum Ausgangswert müssen die Anlieger als Ausgleichsbeiträge zahlen.
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Was konkret soll gemacht werden |
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Die Fachplaner hatten den Geltungsbereich intensiv unter die Lupe genommen und daraus einen umfassenden Maßnahmenkatalog erarbeitet. Diesen bezeichnete Bürgermeister Hermann Block als „Speisekarte“, aus der man auswählen könne. „Alles werden wir nicht umsetzen können.“ Alle Vorhaben zusammen würden Investitionen von mehr als acht Millionen Euro bedeuten, die Gemeinde Bösel wäre bei einer Drittel-Finanzierung mit 2,49 Millionen, berechnet über acht Jahre, beteiligt.
Großes Thema ist der Kreisverkehr im Bereich Am Kirchplatz/Bahnhofstraße/Overlaher Straße. Inklusive Grunderwerb sind dafür 850 000 Euro eingeplant. Insgesamt sind für Grunderwerb im Sanierungsgebiet 1,3 Millionen Euro eingerechnet.
Bahnhofstraße
Die bauliche Aufwertung der Bahnhofstraße schlägt mit rund 1,3 Millionen Euro zu Buche. Parkplatz Am Kirchplatz, Neugestaltung und Aufwertung der Zugänge zum Dorfpark und zum Festplatz (75 000 Euro) sind weitere Themen. Querungshilfen entlang der Bahnhofstraße in Höhe der Straßen Am Kirchplatz, Mörikeweg und etwas weiter westlich (125 000 Euro) sowie über die Friesoyther Straße in die Overlaher Straße und vom Rathaus hin zum Pfarrheim sind weitere Maßnahmen. Pauschal 250 000 Euro sind eingeplant, um Straßen und Plätze barrierefrei zu gestalten.
Nicht optimal gelöst ist nach Ansicht der Planer auch die Kreuzung Bahnhofstraße/Rosenstraße. Hier soll der Verkehr besser geordnet werden. Ein Kreisverkehr sei hier aber nicht geplant, entgegnete Bürgermeister Block entsprechenden Irritationen.
Kulturzentrum
Um Bösel als Ort der Musik stärker in den Fokus zu rücken, könnte ein „Zentrum des kulturellen und künstlerischen Austausches“ errichtet werden – 1,5 Millionen Euro sind eingeplant. Der Standort dafür muss noch gefunden werden.
Private Maßnahmen
Auf privater Seite ist die Sanierung von vorerst 14 ortsbildprägenden Gebäuden, die erhebliche Defizite aufweisen, mit rund 560 000 Euro eingeplant. Neun fehl- oder mindergenutzte Gebäude könnten saniert oder modernisiert werden – für pauschal 360 000 Euro. Eine Fehlnutzung sehen die Stadtplaner etwa auch im Bereich der Tankstelle an der Friesoyther Straße.
Der Gemeinderat gab einstimmig grünes Licht für den Antrag zum Städtebauförderprogramm.
