Wardenburg - Peinlich? Nein, Inge W. schüttelt ohne zu zögern ihren Kopf. Unangenehm sei es ihr nicht, über sich zu sprechen und darüber, dass sie regelmäßig in der Wardenburger Speisekammer ihre Lebensmittel kauft. „Mir bleiben als Rentnerin 30 Euro pro Woche fürs Leben. Ich bin froh, dass es die Speisekammer gibt“, sagt die 68-Jährige mit fester Stimme.
Im November 2010 ist sie aus der Nähe der Stadt Bielefeld nach Wardenburg gezogen. Hier lebt sie im von einer kirchlichen Stiftung getragenen Hedwig-Weide-Haus und freut sich, dass ihre Schwester mit der Familie nicht weit von ihr wohnt. Der Kontakt ist eng, doch Inge W. ist es wichtig, den eigenen Lebensunterhalt so gut es geht, selbst zu bestreiten. „Ich ärgere mich nicht über meine kleine Rente“, beteuert die deutlich jünger wirkende Frau. Heute könne sie einfach besser mit Geld umgehen, schickt sie hinterher.
Früher, das war die Zeit, als sie als alleinerziehende Mutter dreier Kinder zwar voll im Leben stand, aber das Alter noch so weit entfernt schien. Die gelernte Bürokauffrau fand zuerst in ihrem eigentlichen Job keine Angebote, die sich mit der Familie vereinbaren ließen. Später war sie dann vermutlich für viele Unternehmen zu alt. Inge W. hat dennoch ihr ganzes Leben gearbeitet. Als Servicekraft in Kneipen oder als Bratwurstverkäuferin in Imbissbuden. Große Gedanken darüber, ob sie durch diese Jobs auch sozialversichert sei, machte sie sich damals nicht.
Das böse Erwachen kam, als sie nach dem Renteneintritt gerade einmal zwölf Euro über dem Satz lag, der das Beantragen von Sozialhilfe ermöglicht. Mittlerweile erhält sie Hilfe vom Staat. Das erste Mal zu einer Tafel, die wie die Wardenburger Speisekammer gespendete Lebensmittel sehr günstig anbietet, ging die Rentnerin noch in Stukenbrock, südlich von Bielefeld. Sie war schockiert: „Da waren mehr als 150 Kunden, es mussten sogar Nummern gezogen werden“, erinnert sie sich. In Wardenburg sei alles viel überschaubarer, persönlicher.
Das ist auch der Grund, weshalb Inge W. nicht nur Kundin sein möchte und, so gut es ihre Gesundheit erlaubt, beim Einsortieren der Ware mithilft. „Ich möchte etwas zurückgeben von der Hilfe, die ich bekomme“, sagt sie.
