BONN/GEHLENBERG/WESTERSTEDE - Das Wachstumspotenzial des deutschen Fleischmarktes gilt in weiten Teilen als ausgereizt – aber in einigen Segmenten ist Dynamik spürbar. Das gilt auch für Produkte mit dem Siegel „Halal“, (Arabisch: „das Erlaubte“), also etwa Geflügel, das nach islamischen Ernährungsregeln produziert wird.

„Die Nachfrage ist wachsend“, bestätigt der Geschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Fleischwarenindustrie in Bonn, Thomas Vogelsang, gegenüber dieser Zeitung. Hintergrund sei die „demografische Entwicklung“. Der Anteil der Muslime an der Bevölkerung steige.

Allerdings ist in der Branche auch von einem „gewissen kommerziellen Interesse der Zertifizierungsbranche“ die Rede. Das Thema werde – etwa auf der Branchenmesse Anuga – von diversen Prüf-Firmen auf einmal stark umworben. Es entstehe ein gewisser Druck auf die Nahrungsmittelhersteller, sich kostenträchtig einem oder mehreren Zertifizierungsverfahren zu unterziehen. Sogar der Fruchtgummihersteller Haribo, heißt es, habe mittlerweile das „Halal“-Siegel.

Betriebe im Nordwesten, einer Hochburg von Schlachtung und Fleischverarbeitung, bestätigen das wachsende Interesse. Der Markt sei aber noch „minimal“, heißt es etwa bei der PHW-Gruppe („Wiesenhof“) aus Rechterfeld. Um den Vorgaben gerecht zu werden, würden beim Schlachten von Geflügel die Tiere nach Mekka ausgerichtet. Zudem sei während der Prozedur immer ein Muslim anwesend. „Natürlich wird der Name Allahs angerufen, wenn er die Maschine anmacht“, sagte Michael Südbeck, Leiter Qualitätsmanagement, dem Radiosender NDR Info. Das eigentliche Schlachten laufe selbstverständlich gemäß den gesetzlichen Vorgaben des EU- bzw. deutschen Rechts und sei stark automatisiert. Ein Tierarzt überwache die Produktion.

Bei Wiesenhof ist im Hinblick auf die Produktion für moslemisch orientierte Kunden von einer „uralten Geschichte“ die Rede. Doch in der Branche ist Musik. Beim Familienbetrieb Meemken in Gehlenberg (Friesoythe) macht Wurst nach den Regeln des Propheten Mohammed schon mehr als die Hälfte der Produktion aus (60 Artikel). Auch der Westersteder Geflügel-Händler und Logistiker Claus sieht in Halal-Produkten Potenzial für die Expansion. Auch im Ausland, etwa in Frankreich, bestehe Bedarf.


Fest steht: Kaum ein Segment auf dem weltweiten Lebensmittelmarkt wächst so schnell wie Halal. 2004 seien mit islamkonformer Nahrung 587 Milliarden Dollar umgesetzt worden, meldete „Spiegel Online“. 2010 sollen es bereits 641 Milliarden sein – davon 67 Milliarden in Europa.