BOOKHOLZBERG - Seit Brigitte Mahlstedt denken kann, ist ihr Vater tot. In ihren Erinnerungen ist er schwarz-weiß, trägt einen Herrenhut und einen eleganten Mantel. Wie auf den verblassten Fotos, die sie in einem kleinen Karton aufbewahrt.

Brigitte Mahlstedt war ein Jahr alt, als ihr Vater Friedrich Pfalzgraf 1942 in Russland starb. Er fiel wenige Kilometer vor Leningrad, heute St. Petersburg. „Er war Soldat im zehnten Infanterieregiment 376 der Wehrmacht“, sagt Brigitte Mahlstedt.

Und das ist auch alles, was sie über die Umstände seines Todes sagen kann. Sie weiß nicht, wie er gestorben ist. Oder wo er begraben wurde. „Vielleicht hat man ihn auch einfach nur in einem Graben verscharrt. Wie viele Tausende seiner Kameraden auch“, sagt Brigitte Mahlstedt mit traurigen Augen.

An diesem Sonntag ist Volkstrauertag. Brigitte Mahlstedt fährt dann mit ihrem schwarzen VW-Käfer wieder 30 Kilometer zum Familiengrab nach Brinkum. Hier stand bis vor kurzem noch das verwitterte alte Kreuz, das an ihren Vater erinnerte. „Sein richtiges Grab kenne ich nicht. Deshalb ist das für mich der Ort, wo ich meines Vaters gedenken und um ihn trauern kann“, so Brigitte Mahlstedt.

Rückblick, Sommer 1941: Friedrich Pfalzgraf ist 31, seine junge Frau Edith erwartet das zweite Kind. Dann der Einberufungsbefehl. Kurz bevor er an die Front muss, bringt Friedrich Pfalzgraf seine einjährige Tochter Brigitte zu ihren Großeltern nach Stuhr.


Dort erlebt die kleine Brigitte, wie ihr geliebter Opa von den Engländern verhaftet wird. Kurz darauf wird er erschossen. „Weil er eine Pistole vergraben hatte“, erinnert sich Brigitte Mahlstedt.

Vor 25 Jahren zog sie gemeinsam mit ihrem Mann nach Bookholzberg. Seit dem kommen die Fragen. „Wo ist mein Vater begraben“, fragt sie. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge verwies sie an die Deutsche Dienststelle in Berlin, bei der die Daten der Wehrmacht archiviert sind.

Seitdem wartet Brigitte Mahlstedt auf den Tag, an dem sie eine Nachricht von der Deutschen Dienststelle im Briefkasten hat. „Aber vielleicht bleibt die Frage auch für immer unbeantwortet“, sagt Brigitte Mahlstedt.