BOOKHOLZBERG - Sarah Hochheiden besitzt acht verschiedene Brillen-Modelle. Für jeden Anlass eine andere Brille. Mit dickem Rand oder ohne. In verschiedenen Farben – immer passend zur Kleidung.

Diesmal trägt sie das Modell „schwarz, rechteckig“. „Ich habe erst vor kurzem ein paar aussortiert“, sagt Sarah Hochheiden. Sie hatte also ursprünglich noch mehr Brillen in ihrem Schrank. Was bei anderen schnell als Marotte gelten würde, hat bei Sarah Hochheiden einen ganz anderen, professionellen Hintergrund. Die Brille verhält sich bei ihr, wenn man so will, wie das Brötchen zum Bäcker.

Die erst 26-jährige Sarah Hochheiden darf sich seit kurzem Augenoptiker-Meisterin nennen. Eine besonders junge Meisterin und eine von ganz wenigen in ihrer Altersgruppe. Seit 2002 arbeitet sie bei Augenoptikerin Christine Rose in der Stedinger Straße in Bookholzberg. Sie lebt in Seefeld im Kreis Wesermarsch und fährt jeden Tag 100 Kilometer.

Dass ein Augenoptiker ein Handwerker ist, würden wohl die wenigsten Brillenträger vermuten. Brille putzen und dem Kunden bei der Modelwahl helfen – das ist wohl das weit verbreitete falsche Bild von diesem Beruf.

Optiker sind Handwerker


Es ist aber anders. Die Branche zählt zum Handwerk und deshalb passt der Verweis zum Bäcker. Es gibt schließlich hier neben Gesellen auch Meister. Gläser schleifen, Löcher bohren, Fassungen fräsen und löten sowie Ersatzteile und Fassungen montieren – Sarah Hochheiden beherrscht ihr Handwerk ganz genau. Schließlich war sie dafür an der Meisterschule.

Jetzt sitzen die Chefin und die frischgebackene Meisterin nebeneinander am Beratungs-Tisch, den gerahmten Meisterbrief neben sich und erzählen, wie es kam, dass eine junge Frau das Gymnasium verlässt und eine Ausbildung zur Augenoptikerin beginnt. Und dass diese junge Frau ein paar Jahre später schon die Meisterprüfung ablegt – und besteht.

„Es ist ganz einfach: Ich war bei der Berufsberatung. Drei Berufe wurden mir vorgeschlagen. Zahntechnikerin, Akustik-Mitarbeiterin und eben Augenoptikerin“, erinnert sich Sarah Hochheiden im Gespräch mit der NWZ .

„Ich habe mich für die Augenoptikerin entschieden. Da hat man jeden Tag mit Menschen zu tun und kann ihnen helfen, ihren eigenen Stil zu finden. Der Beruf ist sehr komplex“, erklärt Sarah Hochheiden. Nicht zu verwechseln mit „konvex“ – der äußeren Form von Brillengläsern.

Augenoptiker sind inzwischen immer mehr zu Stil- und Modeberatern geworden. Das bestätigt auch die Chefin Christine Rose. „Für viele Kunden ist die Brille ein Accessoire, wie Schmuck oder ein Kleidungsstück“, sagt sie. Deshalb achten die fünf Augenoptiker in ihrem Geschäft darauf, dass die Brille immer zum Kunden passt.

Dabei gibt es genaue Kriterien. „Ich würde einem Mann mit einem runden Gesicht keine runde Brille anbieten. Das würde nicht aussehen“, sagt Sarah Hochheiden. Berücksichtigt werden bei der Brillenwahl Gesichtsform, Augenbrauenform, Haartyp und Hauttyp. „Aber auch der Beruf spielt eine Rolle“, weiß Sarah Hochheiden.

Brille für jeden Typ

Einem Banker würde man eine andere Brille empfehlen als einem Werbedesigner. Wie gut, dass Sarah Hochheiden so viele Brillen in ihrem Schrank zuhause hat. Da nimmt man ihr die Leidenschaft als Augenoptikerin gleich ab.