BOOKHOLZBERG - Im Zusammenhang mit der Ausweisung des Windparks Sannauer Helmer muss die Gemeinde Ganderkesee noch 60 Hektar Ausgleichsflächen ausweisen. Dazu würde sich das Hohenbökener Moor hervorragend eignen, resümierte Ratsfrau Christel Zießler zum Schluss einer Informationsveranstaltung der Ganderkeseer SPD über den Wunsch des Windkraft-Unternehmens Volkswind, im Hohenbökener Moor mehrere große Windenergieanlagen aufzustellen.
Diesem Projekt ausgesprochen skeptisch gegenüber steht auch der Ornithologe Henning Meinecke aus Hude, der 30 Jahre lang die Vogelwelt in einem 300 Hektar großen Gebiet rund um den Sielingsee beobachtet und die Vorkommen von Brut-, Rast- und Gastvögeln dokumentiert hat – allerdings nur bis 2005. Seither fehlen kontinuierliche Kartierungen.
„Verglichen mit heute herrschten in den 70er-Jahren geradezu paradiesische Verhältnisse“, erklärte Meinecke. Durch den fortschreitenden Grünlandumbruch habe sich die Welt der Wiesenvögel dramatisch verändert. Das Hohenbökener Moor sei in der Region eine der letzten verbliebenen Zufluchtsstätten. Allerdings seien auch dort die Vorkommen bedrohter Vogelarten, beispielsweise Bekassine, Brachvogel, Uferschnepfe, Feldlerche, Wiesenpieper und Schwarzkehlchen, aber auch Mäusebussard, Kornweihe oder Turmfalke, deutlich zurückgegangen.
Das Gebiet, so unterstrich Meinecke, sei zumindest bis 2005 „von regionaler Bedeutung“ gewesen. Ob dieser Status aktuell immer noch gilt, müsste durch eine neue Bestandserhebung überprüft werden. Eine rechnerische Fortschreibung der bisherigen Datenlage sei nicht aussagekräftig.
Die Folgen der Einrichtung von Windkraftanlagen auf die Vogelwelt lassen sich ohnehin grundsätzlich nicht vorhersagen, sagte der Ornithologe. „Das hängt von den spezifischen Bedingungen am jeweiligen Standort ab.“ Es sei aber nachgewiesen, dass Vögel durch die Rotorblätter getötet oder durch Sog gegen die Masten geschleudert werden. Das überwiegend nur große Vögel tot aufgefunden werden, könne damit zusammenhängen, dass von den kleineren Exemplaren nicht viel übrig bleibt. Störungen der Vogelwelt gebe es bereits während der Bauphase. Dadurch könne eine ganze Brutsaison verloren gehen.
Sollte für das Hohenbökener Moor ein ornithologisches Gutachten in Auftrag gegeben werden, sollten die Untersuchungen mindestens auf zwei oder drei Jahre ausgelegt werden, empfahl Meinecke.
