BOOKHOLZBERG - Sieglinde Lederbach, Besitzerin des Schreibwarenladens Brandes, war überrascht. Vier Schüler aus dem 12. Jahrgang der BBS I Delmenhorst stellten ihr am Mittwochabend in einer Präsentation vor, warum sich vergleichsweise wenig junge Leute für ihr Geschäft interessieren. Was sie vor allem verblüffte: Service und Qualität sind bei Menschen unter 25 Jahren offenbar keine wichtigen Kriterien.
Lehrerin Stefanie Ehlers ist zufrieden mit ihren Schülern. Insgesamt 14 Wochen hatten sie Zeit, um sich theoretisch und praktisch mit dem Marketingproblem des Geschäftes auseinanderzusetzen. Sie entwickelten Fragebögen für 14-bis 25-Jährige in Bookholzberg und werteten die Ergebnisse aus.
„Viele junge Leute achten vor allem auf den Preis. Service ist einfach weniger wichtig“, erklärt Schülerin Sarah Kunst. „Das leuchtet mir ein, obwohl es mich überrascht“, sagte Lederbach. „Die jungen Leute wachsen mit dem Internet auf und sind es gewohnt, ohne Beratung zu bestellen. Meine Stammkunden sind doch sehr beratungsintensiv“, stellte sie fest.
Ebenfalls überraschend: Laut Umfrage ist Brandes wenig bekannt bei Schülern und Auszubildenden. „Viele Befragten haben angegeben, dass sie den Laden gar nicht kennen und unbedingt dazu geraten, mehr Werbung zu machen“, erklärte Projektmitglied Anastasia Egovzev.
Und welche Konsequenzen zieht Lederbach aus den Ergebnissen? „Ich werde wohl oder übel mehr Werbung machen müssen – dabei dachte ich, Brandes sei hier im Ort ein Name, es gibt den Laden schließlich seit 35 Jahren“, sagte sie verblüfft.
Um Lederbach bei der Reaktion auf die neuen Informationen auf die Sprünge zu helfen, hatten die Schüler ihr neue Papiersorten ans Herz gelegt und diese in einer Ausstellungswand anschaulich zusammengestellt. Ein bisschen Luxus ließ sich aber auch dabei nicht vermeiden, zieren die Tafeln doch auch Kugelschreiber mit Swarovski-Steinen.
