BOOKHOLZBERG - 7.22 Uhr: Ankunft an der Haltestelle Schierbrok. Es ist noch genügend Zeit, bis mein Zug nach Oldenburg kommt. Also erst einmal eine Fahrkarte besorgen am neuen Automaten der Nordwest-Bahn. Seit einem Monat fahren die Züge der Regio-S-Bahn nun auf der Strecke Bremen-Bad Zwischenahn sowie BremenNordenham und verbinden auch die Ortsteile Hoykenkamp, Schierbrok und Bookholzberg mit den Städten Oldenburg und Bremen. Zeit zu testen, wie gut das funktioniert.
Nur leichte Verspätung
7.24 Uhr: Eigentlich sollte der Zug in Richtung Bremen jetzt ankommen. Stattdessen eine Durchsage: fünf Minuten Verspätung. Bei den Wartenden auf dem Bahngleis wird das ruhig hingenommen. Fünf Minuten sind noch human, findet Michael Reimer. Der 18-Jährige ist auf dem Weg zur Berufsschule nach Delmenhorst, erzählt er mir. Jeden morgen nutzt er die neue Regio-S-Bahn. Das war ein schwerer Start mitten im Winter, berichtet er und erzählt von Verspätungen zwischen 30 und 50 Minuten, die in den ersten Wochen normal waren.
7.30 Uhr: Endlich kommt der Zug nach Bremen. Als die Schranken sich wieder öffnen, eile ich schnell zum gegenüberliegenden Gleis, denn die Bahn nach Oldenburg soll planmäßig um 7.33 Uhr einfahren. Doch schon wieder kommt eine Durchsage. Ganze zehn Minuten zu spät wird der Zug ankommen. Zum Glück ist es trocken und nicht so kalt. Beim Warten bleibt Zeit für Unterhaltungen. Die Regio-S-Bahn ist ganz was Anderes als die Züge der Deutschen Bahn, berichtet Ingeborg Becher. Jeden Morgen fährt sie von Schierbrok nach Oldenburg. Mit dem neuen Angebot ist sie rundum zufrieden. Mit den Verspätungen war es früher noch schlimmer, meint sie. Und das Gefühl, in einer Straßenbahn statt in einem Zug zu sitzen, sei angenehm, erklärt sie ihre positive Bilanz nach einem Monat. Bei anderen Kunden sorgen die Verspätungen für mehr Verärgerungen. Vor allem, dass keine aktuellen Informationen über die Verzögerungen im Internet zu finden sind, wird beklagt.
7.42 Uhr: Endlich hält der Zug. Meine Probefahrt kann starten. Schon nach den ersten Minuten muss auch ich feststellen: Das Fahrgefühl erinnert mehr an S-Bahnen als an einen Zug. Selten merkt man ein Ruckeln. Dafür sind die Sitze etwas härter und schmaler als in den Regionalzügen. Ein etwas asiatisches Sitzgefühl, beschreibt es ein Mitreisender treffend. Man muss aufpassen, den Nachbarn nicht unabsichtlich mit dem Ellbogen zu treffen.
Doch das Auffälligste in der Nordwest-Bahn ist die angenehme Stille: Die Züge sind unheimlich leise. Dadurch wird auch leiser geredet, finden auch andere Passagiere, die mit mir in Schierbrok eingestiegen sind. Unterhaltungen höre ich während der ganzen Fahrt nur im Flüsterton. Beste Gelegenheit für die Mitfahrenden, schnell etwas für die Schule zu lernen oder in Ruhe die Zeitung zu lesen.
Genügend Sitzplätze
7.45 Uhr: Halt in Bookholzberg. Auch alle, die hier einsteigen, finden noch einen Sitzplatz, obwohl der Zug gut gefüllt ist. Heute sind es ja auch zwei Wagen, verraten mir die erfahreneren Mitfahrer. Das sei nicht immer der Fall. Und wenn nur ein Wagen eingesetzt werde, dann müssten viele stehen bleiben.
7.53 Uhr: Die Bahn ist durch Hude durch, hat aber immer noch zehn Minuten Verspätung. Ich werde nervös. In Oldenburg habe ich nur zwölf Minuten Umsteigzeit, um den Zug zurück zu erwischen. Und ich muss mir noch eine neue Fahrkarte kaufen. Kurzerhand entscheide ich mich, bereits in Wüsting auszusteigen.
8.01 Uhr: In Wüsting hat der Anschluss perfekt geklappt. Kaum habe ich mein Rückfahrticket gezogen, kommt die Regio-S-Bahn an. Diesmal ohne Verspätung. Ein Sitzplatz ist auch kein Problem und so kann ich die Rückfahrt nach Schierbrok in dem Flüsterzug genießen, während am Fenster Bookholzberg und Rethorn an mir vorbeirauschen.
