BOOKHOLZBERG - Sechs Rehabilitanden bilden den ersten Jahrgang. Die Umschulung läuft über zwei Jahre.

Von Markus Minten

BOOKHOLZBERG - „Reines Interesse!“ Die Antwort von Rüdiger Zimmermann auf die Frage nach seiner Motivation für diese Ausbildung verblüfft schon ein wenig. „Ich wollte sehen, was zwischen dem Sterben und der Beerdigung eines Menschen passiert.“ Der Westfale lässt sich im Berufsförderungswerk Weser-Ems (bfw) zur Bestattungsfachkraft ausbilden. Insgesamt sechs Rehabilitanden bilden den ersten Jahrgang, der seit Anfang des Jahres den Beruf erlernt.

Vorkenntnisse hat der Polsterer Zimmermann keine mitgebracht. Aber – wie auch seine Kolleginnen und Kollegen – die Voraussetzungen für den Beruf: „Viel Persönlichkeit und die Stärke, sich über die eigenen Schwächen klar zu sein“, erklärt Anja Graalmann-Lulic. Schließlich nehme man einen ganzen Teil Trauer und Schmerz mit nach Hause. „Und man muss stark genug sein, jemanden, der schwächer ist, zu führen, ohne dass der das als unangenehm empfindet.“ Die Bestatterin aus Hude ist für den praktischen Teil der Ausbildung zuständig. Und diese Stärke bringen die Teilnehmer mit, meint Ausbildungsleiterin Perdita Engeler. „Das sind alles Menschen, die eine gewisse Lebenserfahrung haben und selber schon Probleme gemeistert haben.“

Die Frauenquote in diesem typischen Männerberuf zu erhöhen, hat sich Arnhild Behrens vorgenommen. Sie habe zwischen zwei Alternativen wählen können: Altenpflegerin oder Bestatter. Da „einem die Senioren so ans Herz wachsen“, fiel ihre Wahl auf den „interessanten Beruf“ des Bestatters. Zumal der nicht allein aus dem bestehe, was landläufig mit ihm verbunden werde: das Einbetten von Verstorbenen, wie Achim Kreikebaum betont. „Das ist mehr oder weniger ein ganz normaler kaufmännischer Beruf“, sieht er seine Wahl ganz pragmatisch. „Er hat viel mit Menschen zu tun und mit Verkaufen.“ Für den 47-Jährigen ist Bestatter ein Beruf mit „Zukunftsperspektive“.

Das sieht auch Karola Grundt so. Für die Zwischenahnerin ist das „von Haus aus kein Tabuthema“. Vielmehr liege gerade ein Reiz darin, „weil es in der Gesellschaft eines ist“. Die Altenpflegerin bringt neben Dirk Kühlwein als einzige Erfahrungen aus einem Praktikum bei einem Bestatter mit. Der Sauerländer ist von jeher „vom sozialen Bereich fasziniert“. Und als gelernter Verwaltungsangestellter „weiß ich, was ich zu tun habe, wenn es um Behördengänge geht“.


Bevor solche aber anstehen, durchlaufen die Rehabilitanden eine zweijährige Umschulung – die betriebliche Ausbildung dauert drei Jahre. Im bfw erhalten sie in sieben Projekten „den theoretischen Unterbau“, wie Ausbilder Florian Maaß erläutert. „Und den füttern wir mit Hilfe von Frau Graalmann praktisch an.“ Als erstes stand jetzt die Beschaffung an. Vermittelt werden den künftigen Bestattern darüber hinaus medizinische, kosmetische und psychologische Kenntnisse – und natürlich rechtliche Aspekte. Die Ausbildung endet mit einer Facharbeiterprüfung vor der Handwerkskammer.

Einen ganz wichtigen Rat hat Bestatterin Graalmann-Lulic den künftigen Kollegen schon mit auf den Weg gegeben: „Nie ganz genau hinschauen. Sie müssen die Fähigkeit entwickeln, gesehen zu haben und doch nichts zu sehen. Wenn Sie sich jedes Gesicht genau ansehen, werden sie die eine oder andere schlaflose Nacht haben.“ Aber auch die schönste Seite des Berufs verriet sie: „Das Gefühl zu haben, Angehörigen eines verstorbenen Menschen in einer ganz schweren Situation helfen zu können.“ Schließlich sei Bestatter eigentlich zwei Berufe: für den Verstorbenen und für die trauernden Hinterbliebenen.