Bookhorn - Die Landwirtschaft musste Hermann Hegeler schon vor mehr als 30 Jahren aufgeben, aus gesundheitlichen Gründen – da war er 53. Mit seinen Treckern jedoch beschäftigt sich der Bookhorner seitdem erst so richtig, bis heute – jetzt ist er 86. „Als ich noch Landwirt war, hatte ich ja nie Zeit“, sagt Hermann Hegeler. Da war der Trecker ein Arbeitsgerät, und Arbeit gab es immer reichlich. Die macht sich der rüstige Rentner immer noch, aber jetzt ist es ein Hobby.
13 alte Traktoren nennt Hegeler sein Eigen. Alle sind sie sauber herausgeputzt bis auf ein bisschen Staub hier und da – und fahrbereit. Dicht an dicht stehen sie in der Diele des Bookhorner Bauernhofes, den der Junggeselle einst von seinen Eltern übernommen hat und auf dem er bis heute lebt.
„Technik hat mich immer interessiert“, erzählt Hegeler. Dabei hat er nie einen entsprechenden Beruf gelernt – aber stets genau hingeguckt und sich alles erklären lassen. Das war schon so, als er mit 19 Jahren von seinen Eltern nach Hasbergen geschickt wurde, um den Hof von Verwandten zu bewirtschaften. Der Jungbauer kannte sich mit Fahrzeugen und Geräten bereits besser aus als die meisten anderen Landwirte. Ein Bekannter, Diplom-Ingenieur in Bremen, führte ihn in die Elektrik ein, schnell war Hermann Hegeler auch selbst in der Lage, Motoren zu wickeln.
Erster neuer Trecker
Zurück auf dem elterlichen Betrieb in Bookhorn, war es für ihn ein großes Ereignis, als die Familie sich Anfang der 50er den ersten neuwertigen Schlepper leisten konnte. „Das war ein 30er Deutz“, erinnert sich Hegeler. Zum Schmied musste er damit so gut wie nie. „Das konnte ich alles selber machen.“ Der alte Deutz steht noch heute in einer Ecke der Diele, so wie auch die anderen Trecker, mit denen der Landwirt seine Felder beackert hat.
Als er den Betrieb einstellte, hörte die Liebe zu den Traktoren nicht auf. „Einige habe ich vom Schrottplatz gekauft“, erzählt Hegeler, „für hundert Mark.“ Ob Anlasser oder Lichtmaschine – er kriegte alles wieder flott. Auch einen Junkers-Motor aus dem Zweiten Weltkrieg brachte der Bastler wieder zum Laufen, er dient ihm heute noch als Generator. Sein ältestes Stück ist aber ein 11er-Deutz, der noch vor dem Krieg gebaut wurde – das genaue Jahr weiß er nicht.
Zeit auch für andere
Hermann Hegeler ist auch mit 86 Jahren noch fast jeden Tag am Schrauben. „Ich gucke nicht auf die Uhr“, sagt er. „Ich hab’ ja Zeit.“ So viel Zeit, dass er sich immer freut, wenn andere Trecker-Freunde ihm ihre Fahrzeuge zum Reparieren vorbeibringen. Gerade erst hat er einen fast 70 Jahre alten Ritscher-Traktor restauriert, der Herwig Garms aus Iserloy gehört. Der will mit dem in frischem Hellblau lackierten Gefährt bei der 3. Oldtimer-Juxrallye der Motorsportgemeinschaft Hunte-Delme-Hunte am Sonnabend, 18. August, an den Start gehen.
Hermann Hegeler geht nicht mehr zu solchen Trecker-Treffen. Früher war er öfter mal bei Veranstaltungen der „Frünn van de ole Landmaschin“ in Vielstedt, jetzt bleibt der 86-Jährige lieber zu Hause. Da gibt es immer was zu tun für ihn – und das braucht er.
