BORNHORST - Baut der Mensch etwas, zum Beispiel eine Schule, zieht bald ein bestimmtes Klientel in die Nachbarschaft, zum Beispiel Familien. Ähnlich ist es bei den Vögeln: So sind dank gezielter Maßnahmen in den Bornhorster Huntewiesen in diesem Jahr Gesänge zu hören, die den Besuch ganz besonderer gefiederter Freunde belegen.
„Der Wachtelkönig ist zurückgekehrt“, freut sich Volker Moritz, der für die Artenerfassung in dem Schutzgebiet zuständig ist. Man nenne ihn auch den geheimen Vogel, selten bekomme man das scheue Tier zu Gesicht, so Moritz weiter. Sein Ruf klinge, als wenn man mit einem Stück Holz über einen Kamm streicht. Neun Jahre lang war er aber auf den Wiesen nicht mehr zu vernehmen. „Das wieder zu hören, war ein großartiges Erlebnis“, so Moritz, schließlich gehöre der Wachtelkönig, lateinisch Crex crex, zu den gefährdetsten Vogelarten weltweit.
Uferschnepfe brütet
Dass das selten gewordene Tier hier wieder brütet, hat einerseits mit der Witterung zu tun. „Der Winter war trocken, es gab viel Sonne“, erklärt Ralf Becker von der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt Oldenburg. „Dadurch gibt es einen anderen Bewuchs.“ In dem sich neben dem Wachtelkönig auch die Uferschnepfe nebst Nachwuchs wohlfühlt.
Aber auch Menschenhand hat die Entwicklung positiv beeinflusst. So wurde während der Frostperiode mit Landesmitteln eine Blänke (ein flaches Gewässer) angelegt, an der nun die ersten Rotschenkel gesichtet wurden. „Wir hoffen, dass sie im nächsten Jahr auch hier brüten“, sagt Moritz.
„Die Blänke wurde enorm schnell angenommen“, freut sich Becker. Viele Vogelpaare brüten in der Nähe. Die Pflanzenwelt profitiert ebenso von der neuen Wasserstelle. So gedeihen Wasserfeder oder Sumpf-Platterbse wunderbar am Ufer. 42 gefährdete und besonders geschützte Pflanzenarten haben momentan in den 350 Hektar Bornhorster Wiesen Wurzeln geschlagen.
Weitere Blänke geplant
Da die Huntedeiche das Schutzgebiet weitgehend vor Überschwemmungen bewahren, ist eine weitere künstliche Blänke geplant, um Lebensraum am Wasser für Artenvielfalt zu schaffen. Noch mehr Gezwitscher, Geflöte und Geknarre ist also eindeutig erwünscht. Das „Open-Air-Konzert“ der Natur ist übrigens vom Wolfsdeich entlang Hunte aus gut zu hören.
