Brake/Bad Zwischenahn - Das Haus „Kaje 3“ in Brake ist spannend: ein altes Hafengebäude mit einem lichten Ausbau aus Metall und Glas. Dort hat Godo Röben sein Büro: Mit weiter Perspektive schaut er über die Weser. Das passt zu ihm. Godo Röben (53) war einst der Innovations-Motor des Wurst-Spezialisten Rügenwalder Mühle bei der Neuausrichtung auf fleischlose Ware. Die Zwischenahner setzten sich dann an die Spitze eines Megatrends.
Am 24. Februar vorigen Jahres ging Godo Röben von Bord. Und was macht er heute? „Seit 1. Januar kann ich tun und lassen, was ich will“, sagt der frühere Rügenwalder-Geschäftsführer mit Blick auf letzte Restriktionen.
Und nun? Viele Anfragen
Und nun? „Es gab Anfragen ohne Ende“, sagt Röben, der zur Branchen-Berühmtheit wurde. Er zählt unter dem Mantel der Verschwiegenheit Namen aus der Nahrungsmittelbranche auf, auch aus den USA. Selbst Hersteller von Schokolade, Babybrei oder Molkereien sind dabei. „Es sind welche, die bisher noch auf tierische Rohstoffe setzen – und sich jetzt auf vegetarische und vegane Alternativen ausrichten wollen.“ Röben weiß, wie so was geht.
Oben im 4. Stock des Hauses „Kaje 3“ in Brake hängt ein Flip-Chart, Thema: „Trend of Plant-Based-Food“ – und alle Pfeile zeigen nach oben. „Da entsteht ein gigantischer Markt“, sagt Godo Röben. Und seine Expertise ist gefragt.
Godo Röben stammt aus Brake. Er absolvierte in Oldenburg eine Ausbildung zum Industriekaufmann, machte sein Fachabitur in Wirtschaft in Varel und studierte an einer Bremer Fachhochschule „Management im Handel“. 1995, sagt Röben, habe er nach einer Blindbewerbung dem Rügenwalder-Chef Christian Rauffus gegenübergesessen – der ebenfalls gerade von aufkommenden Marketing-Ideen inspiriert war. „Was wollen Sie?“, habe der gefragt. Röben baute die Marketing-Abteilung bei dem Zwischenahner Unternehmen auf. Später wurde er Geschäftsführer (Bereiche: Marketing, Forschung & Entwicklung, Nachhaltigkeit und Strategie). Nach der Trennung 2021 wurde die Geschäftsführung komplett umgebaut und erweitert.
Denn Röben war es, der einst Christian Rauffus, den damaligen Rügenwalder-Chef, für revolutionäre Gedanken gewann: vegetarische und vegane Wurst-Alternativen! Im November 2014 ging’s los, ein „super-interessantes Jahr“. Laut Lebensmittelzeitung hat Rügenwalder in dem Boom-Markt heute 47 Prozent Anteil.
Wie man weiß, ging der Innovator Godo Röben plötzlich von Bord – „überraschend“, wie die „Lebensmittel-Zeitung“ fand. Dutzende weitere aus Führungsebenen folgten, wie das „manager magazin“ unwidersprochen berichtete. Ein komplett neues Management führt nun Rügenwalder. Zuvor gab es bei der Eigentümer-Familie Rauffus einen Generationswechsel, zu Gunnar Rauffus (Aufsichtsrats-Vorsitz), dem Sohn von Christian Rauffus.
Die neuen Engagements
Röben startet seit diesem Januar als Selbstständiger durch. „Nichts zu tun – das ist nicht mein Ding“, sagt er. Konkret wird er nun tätig für:
Veganes Ei, ein Start-up in Berlin: „Ich habe dort investiert und berate die“, erläutert Röben. Bei dem Ei-Projekt gehe es um den „jetzt am schnellsten wachsenden veganen Markt“. Dort ist inzwischen auch Bernd Becker, zuvor Forschungs- und Entwicklungschef von Rügenwalder, dabei.
The Family Butcher, Holding der Fleisch-Unternehmen Reinert und Kemper in Versmold (rund 700 Mio. Euro Umsatz). „Ich wurde in den Beirat der Holding berufen, und berate das firmeneigene Start-up The Plantly Butcher“. Unter den 20 Beschäftigten in Osnabrück sind auch etliche Rügenwalder.
Privatmolkerei Bauer: Hier hat er ein „klassisches Aufsichtsratsmandat“, wie Röben sagt. Bauer treibt pflanzliche Alternativprodukte voran.
Und schließlich: Ein Lebensmittelhersteller, der sich an mehreren Start-ups beteiligt hat, die natürliche, gesunde, vegane und auch fermentierte Produkte vorantreiben. Hier geht er in den Beirat. Bei einem Handelskonzern baut er einen Beirat für „alternative Proteine“ und „Foodtech“ auf.
Interessant auch: Röben wurde in den Vorstand des Bundesverbandes „Alternative Proteine“ gewählt. Es geht um wichtige Rohstoffe für fleischlose Produkte, Forschung und Zusammenarbeit. „Die Branche braucht eine Stimme“, so Röben. Außerdem berät er nun das Land Niedersachsen zur „Ernährung der Zukunft“.
„Ich bin eben gut vernetzt“, erklärt der 53-Jährige die neue Aufgaben-Flut. Nun bremst er aber etwas. „Ich bin jetzt sehr viel unterwegs, übrigens per Bahn“, erzählt er. Das müsse sich alles erst mal einspielen.
Der Braker macht dabei einen ganz zufriedenen Eindruck. „Es geht ja auch stets um einen Markt, den ich einst selbst mit geschaffen habe“, sagt der Veggie-Visionär, mit weitem Blick über die Weser.
