BRAKE - Kein Kind ist gleich und Kinder mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) sind es schon gar nicht. Impulsivität, Hyperaktivität und Konzentrationsschwäche sind unterschiedlich ausgeprägt. „Mit pädagogischen Methoden kriegen Sie einen ADHS‘ler nicht in den Griff“, sagt Hartmut Gartzke (Hannover), Mitglied im Bundesvorstand des Vereins „Selbsthilfe für Menschen mit ADHS“ und Landesgruppenleiter in Niedersachsen.

Auf Einladung des Bildungsnetzwerks Wesermarsch referierte er vor Ausbildern, Lehrkräften und Eltern über Wege, Jugendliche und junge Erwachsene mit ADHS in der Ausbildung zu unterstützen. Über die Möglichkeiten des Coachings referierte der Kinder- und Jugendarzt Eckhard Ziegler-Kirbach (Bremerhaven).

Zauberwörter sind für Gartzke Ehrlichkeit, Konsequenz, Gerechtigkeit und Freundlichkeit: „Und ohne Motivation geht gar nichts.“ Ebenso wichtig sei die Kommunikation der Eltern mit Ausbildern und Lehrkräften. Spezielle Projekte, über die ADHS‘ler ins Arbeitsleben finden, gibt es kaum. Gartzkes Empfehlung: Je kleiner der Betrieb, desto besser für den ADHS‘ler. Eine Ausbildung sei jedoch keine Therapie.

Was aber tun, wenn der junge Erwachsene seine Ausbildung und Therapie abbricht, die Medikamente nicht mehr nimmt? Viele der anwesenden Eltern erwarteten darauf eine Antwort. Eine Möglichkeit ist das Coaching durch einen Psychologen, Therapeuten oder Arzt. „Der Coach ist ein Lenker, der die Zügel hält“, berichtete Eckhard Ziegler-Kirbach aus seiner Praxis. Der Coach leite an, sei aber emotional nicht beteiligt. „Er darf Kritik üben, der ADHS‘ler hört auch das, was er von den Eltern nicht hören will.“