BRAKE - Das wird wieder ein langer Arbeitstag für Hartmut Wolberg (44): Ein Kunde will sich die Hallenlagerung im Hafen anschauen, ein Investitionsantrag muss bearbeitet und der Messebesuch im Juni vorbereitet werden. Dazwischen muss sich der Geschäftsführer des Breakbulk Terminals der J. Müller Unternehmensgruppe mit dem Firmenrepräsentanten in China abstimmen und eine Reklamation bearbeiten. Wenn dann noch Zeit bleibt, schaut der gebürtige Hamburger beim Stahlumschlag an der Kaikante vorbei. „Ein Zwölf-Stunden-Tag ist normal, aber das kenne ich nicht anders“, sagt Wolberg.
Vor sieben Monaten kam Wolberg aus Brüssel an die Weser und teilt sich seitdem mit Jürgen Huntgeburth die Geschäftsführung. Während Huntgeburth den operativen Bereich verantwortet, ist der dreifache Vater Wolberg zuständig für die Kunden und den Vertrieb. „Ich sorg’ dafür, dass der Laden brummt“, beschreibt er salopp seinen Zuständigkeitsbereich.
Logistikprozesse kennt der 44-Jährige zur Genüge. Zuvor hat er 15 Jahre bei der DHL gearbeitet. Seinen Wechsel in den Braker Hafen begründet er so: „In großen Konzernen gibt es sehr feste Strukturen. Hier herrscht eine ganz andere Kultur. Und mit dieser Entscheidungsfreiheit umzugehen, finde ich sehr angenehm.“
Auch wenn sein Verantwortungsbereich ihn allzu häufig am Schreibtisch hält, verliert Hartmut Wolberg nie den Kontakt zu den täglichen Abläufen im Hafen. Aus einem Fenster seines Arbeitszimmers hat er stets die Weser im Blick, aus dem anderen kann er das Stückgut im Auge behalten, über das er täglich verhandelt. Dazu gehören unter anderem Stahlträger für den Hausbau und so genannte Brammen für den Röhrenbau (etwa für Gas-Pipelines), der Umschlag von Zellulose und die Verschiffung von Windenergieanlagenteilen.
„Der Umschlag dieser Stückgüter setzt spezielle Anforderungen voraus“, erklärt Wolberg, und darauf sei der Braker Hafen bestens eingestellt. Empfindliche Zellulose etwa muss mit besonderen Staplern transportiert werden, Komponenten für Windmühlen benötigen sehr viel Lagerfläche. Beim Stahlumschlag dagegen ist das effiziente Beladen eines Schiffes wichtig – und auch, dass die Ladung nicht verrutschen kann.
Anfangs, erzählt Wolberg mit einem Schmunzeln, seien die Hafenarbeiter etwas irritiert gewesen, wenn ihr Chef sich über diese Be- und Entladungsvorgänge bei ihnen informiert hat. Aber dieser Kontakt, betont Wolberg, sei wichtig für seine Verhandlungen: „Wenn man mit Kunden spricht, ist es wichtig, dass man weiß, was passiert. Und das bringt man nur glaubwürdig rüber, wenn man es gesehen hat.“ Außerdem würden sich im Gespräch mit den Mitarbeitern häufig Ideen für Verbesserungen ergeben, weiß der studierte Geograph.
Geschäftlich setzt Hartmut Wolberg vor allem auf den boomenden chinesischen Markt. Voraussetzung dafür seien aber unter anderem der dritte Liegeplatz am Niedersachsenkai und die geplante Weservertiefung. „Sonst gehen uns zukünftig Aufträge verloren“.
