Brake/Elsfleth - Den Klebstoff hat Sabine Röben-Nonnast in die 0,5 Liter fassenden Schnapsflaschen geträufelt. Er ist noch flüssig, damit die Kinder das Holzstück in den weiteren Arbeitsschritten noch bewegen können. Die Kiellegung der Buddelschiffe ist auf jeden Fall geglückt.

Wie kommt das Schiff in die Buddel? Das ist die Frage aller Fragen, der sich mehrere Mädchen und Jungen im Haus Elsfleth stellen. Sabine Röben-Nonnast vom „Schiffahrtsmuseum der Oldenburgischen Unterweser“ erklärt den Kindern, wie das funktioniert.

Auf dem Tisch liegen Buntstifte und eine Elsflether Stadtansicht, die als schwarz-weiße Kopie vorliegt. Das Bild muss zunächst ausgemalt werden. Eifrig greifen Hasan (8), Pekka (7), Tamme (9) sowie Josefine (7) und Amelie (9) zu roten, blauen, grünen und gelben Zeichenstiften. Das Segelschiff „Großherzogin Elisabeth“ hebt sich danach deutlich von der rostroten Spundwand ab. Das Bild wird aufgerollt, mit der Pinzette in die Flasche gesteckt und festgeklebt.

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Weiter geht es ohne Pause. „Das Heck schieben wir zuerst hinein“, erzählt Sabine Röben-Nonnast. Dann klappe es besser mit dem Beladen. So verschwinden nach und nach die Holzstücke in den Schnapsflaschen. Die Ladung liegt auch schon bereit. Sabine Röben-Nonnast hat viereckige, bunte Kissen aus Moosgummi ausgestanzt. Diese Frachtstücke kleben die Kinder nach und nach auf ihre hölzernen Schiffsrümpfe. Langsam trocknet der Klebstoff in der Buddel, die Container haften an den Decks. „Das stinkt aber“, sagt ein Schüler, der seine Nase zu dicht an die Flasche gesteckt an. Das macht aber nichts: Denn der unangenehme Duft verfliegt mit der Zeit, die Flasche soll am Ende auch noch mit einem Korken verschlossen werden.

„Buddelschiffe sind immer so gebaut, als wenn Schiffe zu jeder Zeit aus der Flasche herausfahren können“, erfahren die jungen Werftarbeiter, die sich alle Mühe gegeben haben. Ihre stolzen Buddelschiffe können sich sehen lassen. Zusammen mit den Kindern sind auch ihre beiden Betreuer Hendrik Meinardus sowie Marena Stopinsek von der Jugendhilfestation Berne dem Buddelschiffbau verfallen. Der Stapellauf ihrer Containerschiffe glückt ebenfalls. In den Flaschen starten die Transportschiffe zu den ersten Törns aufs Meer hinaus.

Sowohl im Haus Elsfleth als auch im Haus Borgstede und Becker des „Schiffahrtsmuseums der Oldenburgischen Unterweser“ in Brake lassen sich Buddelschiffe bewundern. Sie sind zwar wesentlich filigraner gebaut, mit Takelage, Masten und Segeln ausgestattet. Aber auch diese Modelle mussten erst den Weg durch den schmalen Flaschenhals in die Buddel finden. Dass diese Arbeitsschritte viel komplizierter und aufwendiger sind, versteht sich von selbst. Aber das Prinzip ist annähernd gleich.


Eine Frage wird noch gestellt. „Wie nennt man die kopflose Madonna vorne am Schiff“, möchte ein Junge wissen. Diese Madonnen würden Galionsfiguren genannt, erfahren die Kinder. Und auch, dass beim Schiff der Bug vorne und das Heck hinten ist. „Das könnt ihr euch gut merken: Der vordere Teil des Menschen beginnt mit einem B und der hintere Teil mit einem H – wie Heck.“

Der Besuch im Schifffahrtsmuseum regt dazu an, auch in See zu stechen. Also auf Matrosen, den Anker gelichtet und die Segel gesetzt.

Ulrich Schlüter
Ulrich Schlüter Redaktion Brake