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ERINNERUNG Von Butterbrot und Brötchen auf See

THOMAS BÜCHER

BRAKE - Fast 50 Jahre ist es her: Die Sonne scheint, an der Braker Kaje tummeln sich die Menschen. Das Passagierdampfschiff „Bremen“ passiert die Kreisstadt. Als „Pasteur“ Ende der 1930er Jahre gebaut, war das Schiff bei der Norddeutschen Lloyd in Bremen für rund 65 Millionen Mark zum Passagierdampfer „Bremen“ umgerüstet worden und nun auf dem Weg nach Bremerhaven. Mitten in der Menschenmasse steht auch ein kleiner zehnjähriger Junge, der einen Traum träumt. Einen Traum, der sich rund sieben Jahre später für ihn erfüllen wird.

Peter Oltmanns sagt damals zu seinem Großvater: „Wenn ich groß bin, fahre ich auf diesem Schiff.“ Der Großvater sagt darauf: „Dann musst du aber noch ein paar Butterbrote essen bis dahin.“ Und tatsächlich: Ein paar Butterbrote später – Peter Oltmanns ist mittlerweile 17 Jahre alt – heuert der Braker Junge auf der „Bremen“ an. Zunächst als Page, dann wird er Messestuart, dann Nachtstuart, die letzte Fahrt der „Bremen“ 1972 macht Oltmanns als Weinstuart im Speisesaal. Dass er einmal auf einem Schiff als Page arbeiten würde, war Peter Oltmanns in die Wiege gelegt: Sein Vater ist ebenfalls Page gewesen, auch auf der „Bremen“ – allerdings auf dem Vorgänger, der „Bremen IV“.

Noch heute – 25 Jahre nach seiner letzten Fahrt – lässt Peter Oltmanns die „Bremen“ nicht los. Erst vor kurzem hat er ein Ölgemälde seiner „Bremen“ im Internet erstanden. Jedes Jahr stellt sich der ehemalige Page seinen ganz privaten Kalender mit Fotografien der „Bremen“ zusammen. „Die Arbeit war einfach toll“, erinnert sich der mittlerweile 59-Jährige. Wenn er dann von seinen Erinnerungen erzählt, wird klar warum die sechs Jahre an Bord eines 212 Meter langen Linien- und Kreuzfahrtdampfers in so guter Erinnerung geblieben sind.

„Ich habe viel Prominenz kennengelernt“, sagt Oltmanns. Seine Aufzählung klingt ein wenig nach dem „Who is who“ der 1950er- und 60er-Jahre: Caterina Valente, Johannes Heesters, die Jacob Sisters, Peter Frankenfeld . . .

In seiner Anfangszeit auf der „Bremen“ ist der Passagierdampfer noch im Linien-Betrieb Bremerhaven – New York unterwegs. Doch schon bald dient das 1938 in St. Nazaire (Frankreich) gebaute Schiff als Kreuzfahrt-Dampfer. Von New York geht es in die Karibik. Später gibt es im Sommer Kreuzfahrten in Richtung Skandinavien, im Winter von Bremerhaven über Lissabon, Madeira nach Dakar. „Ich hab’ die ganze Welt gesehen“, sagt Oltmanns. Denn nicht nur die Landgänge eröffneten ihm die weite Welt. Auch seine Frau lernt Oltmanns bei der Arbeit auf der „Bremen“ kennen – eine Amerikanerin. Und so kommt es, dass er nach der letzten Fahrt mit der „Bremen“ nach Connecticut zieht. Dort arbeitet er als Kellner, Koch und Restaurant-Geschäftsführer. 1992 – nach der Scheidung – kehrt Oltmanns nach Brake zurück. Kellnert hier und lebt mittlerweile im Vorruhestand.


Noch heute erinnert sich der ehemalige Nachtstuart an seinen Kapitän Paul Vetter. „Wir haben ihn auch ,Tango-Paule‘ genannt. Wenn er auf der Tanzfläche war, musste die Band immer Tango spielen.“ Erschien der Kapitän dann gegen 2 Uhr noch einmal auf der Brücke, musste Oltmanns ihm oft eine Nachtmahlzeit bereiten: „Zwei halbe Brötchen – eins mit Käse, eins mit Marmelade. Und dazu heiße Milch mit Honig.“

Passagierdampfer

Bremen V –

Baujahr: 1938 (Werft: Penhoet; St. Nazaire); 32 335 Bruttoregistertonnen; Länge: 212,4 m, Breite: 26,4 m, Tiefgang: 12,8 m; 1150 Passagiere.

Bremen IV –

Baujahr: 1928 (Werft: DeSchiMAG; Bremen); 51 656 BRT; Länge: 286,1 m,

Breite: 31,1 m, Tiefgang 10,3 m; 2228 Passagiere.

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