BRAKE - Noch ist es ruhig am Schierloh-Strand in Hammelwarden. Der große Ansturm all derer, die Abkühlung in der Weser suchen, wird erst am Nachmittag einsetzen. Renate Oeltjen (64) und ihre Schwester Karin Schaefer (62) hingegen sind schon eifrig ein paar Runden geschwommen und packen gerade ihre Sachen wieder zusammen. „Sie glauben gar nicht, wie schön das Wasser ist“, schwärmt Renate Oeltjen, während sich ihre Schwester mit einem Handtuch die Füße trocknet.

Gebürtige Hammelwarderinnen sind sie und somit an der Weser groß geworden. „Das Wasser hatte schon immer eine magische Anziehungskraft auf uns“, sagte Karin Schaefer.

Die 62-Jährige und ihre Schwester erinnern sich noch gut an einen Tag, der schon sechs Jahrzehnte zurückliegt. Es war ein 10. Mai Anfang der 50er Jahre, und ihre Oma hatte Geburtstag. Die Mutter war zu der Jubilarin gefahren, um dort einen Kuchen backen. Die beiden Mädchen hatten nichts eiligeres zu tun, als sich zur Weser zu stehlen und dort zu baden. Als ihre Mutter sie dort fand, gab es Ärger. „Wir mussten zur Strafe sofort ins Bett gehen“, erinnert sich Renate Oeltjen. Vom Geburtstagskuchen durften sie dann am Nachmittag aber trotzdem naschen. Und seit diesem Erlebnis gilt für die beiden Frauen der 10. Mai Jahr für Jahr als Anbadetag.

Eine Stunde vor bis eine Stunde nach Hochwasser – das ist nach den Erfahrungen von Renate Oeltjen und Karin Schaefer die beste Zeit, um in der Weser zu baden. Bei Ebbe sei das Wasser zu „muddelig“ und man kann nicht richtig schwimmen, ohne in die Strömung zu geraten. Und die ist heftig.

In früheren Zeiten sind die Schwestern vom Schierloh-Strand aus mühelos nach Harriersand rübergeschwommen. Allerdings in Begleitung eines Ruderbootes, an dem sie sich festhalten konnten, wenn ein Schiff kam. Und auf die Strömung musste man schon damals achtgeben. Schwimmen „gelernt“ haben die beiden Frauen übrigens bei ihrem großen Bruder. Der schmiss sie einfach ins Wasser. „Wir haben gepaddelt wie die Hunde“, lacht Karin Schaefer.


Bei den hochsommerlichen Temperaturen zieht es in diesen Tagen in Brake viele Menschen an die Weser. Renate Oeltjen und Karin Schaefer gehören auf jeden Fall dazu. Jeden Tag schwimmen sie anderthalb Stunden. Mitunter sind auch die anderen Frauen aus ihrer Nordic-Walking-Gruppe dabei. Nur die Männer, die wollen nicht so recht. Verschmerzbar, finden die beiden Schwestern und lächeln verschmitzt: Irgendwer muss ja Zuhause auch das Mittagessen kochen.