BRAKE - Als 2004 der Führerschein mit 17 (BF 17) in Niedersachsen eingeführt wurde, hatte Peter Sayers Bedenken. Der 51-Jährige ist seit 1988 Fahrlehrer und spricht aus Erfahrung. „Jetzt sieht das anders aus. Ich halte es für eine tolle Sache“, lautet sein positives Urteil. So wie das des Berufskollegen Thomas Küster. „Ich bin sehr zufrieden. In meiner Fahrschule hat bislang alles bestens geklappt.“
Klaus Lücke von der Verkehrswacht Wesermarsch war von Beginn an vom BF 17 überzeugt. „Wir haben stets dazu gestanden und versucht, Zweifler mit unseren Argumenten zu widerlegen. Es ist eine gute Sache“, sagt der 51-Jährige, dessen Tochter Julia mit 17 diesen Führerschein gemacht hat. „Nun ist sie 18 und fährt täglich nach Oldenburg. Ich glaube, die monatelange Begleitung hilft Fahranfängern, sich später sicherer zu fühlen. Das ist der große Vorteil“, weiß Lücke.
Weniger auffällig
Bundesweite Unfallstatistiken belegen dies. Demnach haben die Teilnehmer nach der Begleitphase 28,5 Prozent weniger Unfälle verursacht und weniger Verkehrsverstöße (22,7) begangen als die einer Kontrollgruppe, die den Führerschein regulär mit 18 gemacht hat. Peter Sayers kennt den Grund dafür. „In den Fahrstunden wacht der Fahrlehrer, anschließend sind es die Begleiter. So prägen sich Automatismen ein, und die Chance später nicht auffällig zu werden, ist größer.“
Unterschiede zwischen Anwärtern auf den Führerschein mit 17 und den regulären Anfängern machen die Fahrlehrer nicht. „Sie haben die gleiche Verantwortung, also behandele ich sie auch gleich“, stellt Sayers klar. Küster pflichtet ihm bei. „Sie müssen ja auch das Gleiche bringen.“
Zu Beginn sei die Nachfrage sehr groß gewesen, berichtet Thomas Küster. Bei beiden Fahrschulen gebe es einen bestimmten Durchschnitt, das Interesse ist aber abgeebbt. „Vor sieben, acht Jahren war es hochinteressant. Nach einer gewissen Zeit verfliegt der Reiz, wie das immer ist“, erklärt Küster. Häufig seien es Geschwister von Fahrschülern, die den BF 17 bereits gemacht haben. Die Initiative geht oft von den Eltern aus. „Sie sind häufig die treibende Kraft. Das kann versicherungstechnische Gründe haben; aber eventuell wollen sie nur sehen, wie ihr Kind fährt, bevor es später das Auto der Eltern bekommt“, glaubt der 37-Jährige.
Preise nahezu identisch
Schon vor dem 18. Geburtstag dürfen BF 17-Inhaber ohne Begleitung Roller fahren. Daher werde die Führerscheinklasse M nur noch selten nachgefragt. Auch A1 (Motorräder bis 125 Kubikzentimeter) wird gemieden, da der Preis nahezu identisch mit dem für BF 17 sei, berichten die Fahrlehrer.
