BRAKE - BRAKE - Am 31. August vergangenen Jahres startete mein Flugzeug von Hamburg über Frankfurt, Washington und Chicago nach Clyde (Ohio) in den USA. Clyde ist eine Kleinstadt mit ungefähr 6000 Einwohnern, im Sandusky-County im Norden von Ohio und gehört zum Nordwesten der USA. Hier ist es, wie in Brake auch, eher ländlich mit vielen Feldern, ein paar kleinen Geschäften und sechs Fast Food Restaurants. Ich fühle mich hier pudelwohl.

Mit der Familie, die aus meiner Gastmutter, der Grundschullehrerin Stacie Lowery (35), meinem Gastvater Troy Lowery (41), Manager bei Wal Mart, meinen Gastbrüdern TJ Junior (8) und Tyler (6) und dem Golden Retriever Cocoa besteht, verstehe ich mich blendend. Ich bin als „German Teenager“ von der gesamten Stadt sehr herzlich aufgenommen worden.

Bis jetzt habe ich schon viel erlebt und gesehen, und vor allem festgestellt, dass alles viel größer ist als zuhause in Deutschland – die Schule, die Einkaufsmärkte, die Straßen, einfach alles. Mit der Sprache komme ich super klar, und als ich an Weihnachten mit meiner Mutter telefoniert habe, musste ich sogar bei einigen Wörtern überlegen, was diese auf deutsch heißen – ziemlich verrückt.

Mit meiner Gastfamilie habe ich schon ein umfangreiches Besichtigungsprogramm absolviert. Unter anderem waren wir zu einem Kurzurlaub an den Niagara Fällen. Sie sind ein echtes Naturschauspiel, das man sonst nur aus dem Fernsehen kennt.

Aber noch aufregender war Halloween, was hier ganz groß gefeiert wird. Ich habe mit meinen Gasteltern ein so genanntes „Haunted House“ besucht, in dem man von als Monster verkleideten Schauspielern verfolgt wird. Fast alle Häuser waren mit Kürbissen, Lichtern und gruseligen Kreaturen geschmückt.


Außerdem habe ich im Oktober einen Abend im „Cedar Point“, einem riesigen Freizeitpark mit ungefähr 16 Achterbahnen und anderen Attraktionen verbracht, was unglaublich Spaß gemacht hat.

Besonders toll war die Weihnachtszeit, auch wenn es ungewöhnlich warm für Dezember war. Die Amerikaner kennen den Nikolaustag nicht, den habe ich in meiner Familie erstmal eingeführt, auch die Adventssonntage werden nicht gefeiert. Dafür wird viel mehr dekoriert als in Deutschland. Der Tannenbaum wird bei vielen schon nach Thanksgiving, dem Erntedankfest, aufgestellt, das am letzten Donnerstag im November gefeiert wird und bei dem die Familie zusammenkommt und gemeinsam isst.

Wie es vielleicht den Vorurteilen entspricht, ist Weihnachten in den USA sehr materialistisch. Kinder und Jugendliche bekommen unheimlich viele Geschenke, und in den Nachbarschaften geht es darum, wer die beste Weihnachtsbeleuchtung und Dekoration im Garten hat.

Meinen Wunschzettel an meine Familie in Brake hatte ich schon längst verfasst, und ich war in diesem Jahr bescheiden, denn ich habe mir nur Brotbackmischung für Vollkornbrot und deutsche Schokolade gewünscht, weil man das hier nach vier Monaten wirklich vermisst.

So groß Weihnachten auch gefeiert wird, Silvester ist für die meisten Leute nur ein ganz normaler Tag. Keine Feuerwerke oder Raketen (das gibt es nur in New York), kein besonderes Essen, keine großen Feiern; da wäre ich gerne für ein paar Stunden in Brake gewesen, um mit meinen Freunden Silvester zu feiern.