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Historie Mohnblume symbolisiert Vergänglichkeit

Dr. Gesa Hansen

BRAKE - Unbestritten ist, dass der Braker Stadtfriedhof an der Dungenstraße im Vergleich mit denen in Golzwarden und Hammelwarden noch jung an Jahren ist. Nachdem Brake 1856 zur Stadt erhoben worden war, kam es zwei Jahre später zur Neubildung der Pfarrgemeinde Brake. 1862 wurde der Neubau der Kirche geweiht, und die Stadt erwarb 1863 ein Grundstück auf Golzwarder Gemeindegebiet (der Ortsteil wurde erst 1913 eingemeindet). Bedeutende Denkmäler und Sepulkralkunst findet man hier nicht, aber ein Spaziergang über diesen Friedhof ist auch ein Gang durch die Geschichte der Stadt – und durch die Weltgeschichte.

Berufe eingraviert

Wurden in den ersten Jahrzehnten für die Grabgestaltung noch liegende steinerne Platten verwendet, deren Inschriften kaum mehr zu entziffern sind, gibt es seit den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts mehrheitlich die aufrecht stehenden Grabsteine. Lange war es Usus, nicht nur den Namen des Verstorbenen einzugravieren, sondern auch dessen Beruf.

Viele Grabsteine zeugen jedoch auch von unendlichem Leid der Familien, insbesondere verursacht durch die Kriege. Da hält man als Nachkriegskind schon mal fassungslos inne, wenn zum Beispiel zu lesen ist, dass Ehemann und beide Söhne im 1. Weltkrieg gefallen sind oder verschollen. Und dieses Grab ist kein Einzelfall.

Auch findet man Grabsteine mit Namenszügen, deren Klang so gar nicht in die Wesermarsch zu passen scheinen. Sieht man genauer hin, so liest man als Geburtsort Altenburg oder Oppeln. Es sind die Gräber der vielen Flüchtlinge und Vertriebenen des 2. Weltkriegs, die hier eine neue Heimat finden mussten.

Doch lässt sich auch kunsthistorisch Interessantes entdecken wie das Grabdenkmal der Familie Seebeck vom Beginn des 20. Jahrhunderts. Im Zentrum der großen, aus schwarzem Marmor bestehenden Anlage steht eine Frauenfigur unter dem großen Halbbogen. Hinter ihr ist eine Tür in Flachrelief ausgearbeitet.


Eingang ins Totenreich

Ikonologisch lässt sich die Anlage leicht erklären: Die Frauenfigur stellt eine Trauernde dar, die in der Hand verblühte Mohnblumen – ein Vergänglichkeitssymbol – hält. Die Tür symbolisiert den Eingang in das Totenreich. Dieses Motiv aus der griechischen Mythologie wurde vom Christentum übernommen.

Diese „Trauernde“ ist nun nicht aber aus Bronze, sondern es handelt sich um eine so genannte Galvanoplastik, eine zu Anfang des letzten Jahrhunderts sehr gebräuchliche Form des Grabschmucks. Mittels Galvanisierung überzog man ein Modell mit einer Kupferschicht von zwei bis drei Millimetern Dicke. Danach wurde die Plastik noch grün patiniert. So war eine serielle Produktion von Originalen bei guter Qualität, Haltbarkeit und günstigem Preis möglich. Die beschriebene Figur mit einer Höhe von circa zwei Metern dürfte um 10 000 Mark gekostet haben. Man kann davon ausgehen, dass diese „Trauernde“ von Hans Dammann stammt, jenem Künstler, der auch das Ehrenmal an der Kaje schuf.

Gegenüber dieser Grabanlage befindet sich eine weitere Trauernde aus Stein, die sich an eine antikisierte Säule lehnt. Dieses Motiv war in der Entstehungszeit um 1910 ebenfalls sehr beliebt. Hierbei handelt es sich um Steingut.

Leider verschwanden mit der Zeit viele stumme Zeugen vom Friedhof, denn viele Gräber wurden und werden nach und nach aus den verschiedensten Gründen aufgegeben. Man kann nur hoffen, dass man bei manchen den historischen Wert entdeckt und diese so erhalten werden. So kann man noch heute die Grabmäler der ersten Bürgermeister Brakes finden. Bleibt auch zu hoffen, dass der Friedhof nicht durch weitere Baumfällaktionen zu einem reinen Gräberfeld mutiert.

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