BRAKE - Im Einsatz waren sechs Seenotkreuzer. Die Suche nach der Besatzung wurde gestern unterbrochen.

von lore timme-hänsel

BRAKE - Große Betroffenheit hat in Brake die Nachricht vom vermissten Kutter „Hohe Weg“ der Neptun-Fischvermarktung Hullmann ausgelöst. Kapitän des Kutters war Sven Hullmann, der 27-jährige Sohn des Firmenchefs. An Bord befanden sich außerdem drei Seeleute im Alter von 18, 38 und 47 Jahren.

Vor dem Fisch-Imbiss am Binnenhafen gingen gestern etliche Teams von Radio- und Fernsehsendern in Position, um Stimmen einzufangen. Der Betrieb war jedoch geschlossen wegen eines Trauerfalls in der Familie, am vergangenen Sonnabend war die Seniorchefin tödlich verunglückt.

Der Kutter „Hohe Weg“ wird seit Mittwochabend 21 Uhr vermisst. Seine letzte bekannte Position befand sich in der Deutschen Bucht etwa 16 Meilen südöstlich von Helgoland. Zu dieser Zeit herrschten in dem Gebiet stürmische Westwinde mit über 70 km/h und starker Seegang. Der Erstalarm ging bei der Seenotleitung Bremen über die automatische Seefunkbake des Schiffes ein, ein direkter Kontakt kam nicht mehr zustande. Die Seefunkbake wurde etwa zwei Stunden später vom Seenotkreuzer „Hermann Helms“ aus Cuxhaven geborgen. „Denkbar ist, dass eine Welle den Kutter erwischt hat und er gekentert ist“, sagte ein Sprecher der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS).

Sechs Seenotkreuzer der DGzRS von den Stationen Helgoland, Cuxhaven, Bremerhaven, Hooksiel, Norderney und Büsum, zwei Flugzeuge und drei Hubschrauber der Marine sowie weitere Schiffe suchten nach der Besatzung und dem Kutter. Die Suche wurde durch orkanartige Böen mit Windstärken von über 110 km/h und Wellenhöhen von bis zu drei Metern erschwert. Die Wassertemperatur in der Deutschen Bucht beträgt zurzeit 10,5 Grad Celsius.


Im Laufe der Nacht wurden in der Nähe der Nordergründe zahlreiche Fischkisten und Ausrüstungsteile gefunden, die dem Kutter zuzuordnen sind. Gestern Mittag fand man bei Wremen die leere Rettungsinsel. Mit einsetzendem Niedrigwasser versuchte ein Hubschrauber am späten Nachmittag mit Ortungsgeräten den Fundort des Kutters auszumachen. Das Schiff blieb wie vom Erdboden verschluckt. „Das ist völlig rätselhaft“, sagte der DGzRS-Sprecher.

Die Seenotkreuzer unterbrachen gestern Nachmittag die Suche nach den Männern. Sie werde wieder aufgenommen, sobald man neue Spuren finden würde. „Mit Rücksicht auf die Betroffenen suchen wir so lange wie es geht“, versicherte der Sprecher. Aber mit jeder Stunde schwinde die Hoffnung ein bisschen mehr.