Brake - Es ist Dienstag, 20 Minuten vor 13 Uhr. Schon jetzt stehen knapp 30 Menschen verschiedenen Alters vor der Braker Ausgabestelle der Tafel und warten. Warten darauf, dass sich in wenigen Minuten, pünktlich um 13 Uhr, die Türen der Ausgabestelle öffnen. Dann nämlich beginnen die ehrenamtlichen Helfer der Tafel mit dem Verteilen von gespendeten Lebensmitteln.
„Die Tafel unterstützt bedürftige Menschen mit Lebensmitteln, die an uns gespendet werden“, erklärt Dorette Wittje, ehrenamtliche Organisatorin der Tafel in Nordenham. Als bedürftig gelten Harz-IV-Empfänger, Geringverdiener (bis etwa 930 Euro im Monat) und seit einiger Zeit auch immer mehr Rentner. Auch Kinder werden, sofern sie in einer Bedarfsgemeinschaft mit den eben genannten Personengruppen leben, von der Tafel unterstützt.
Um Lebensmittel von der sozialen Einrichtung zu erhalten, müssen allerdings bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, weiß Wittje. „Wir brauchen den Bescheid vom Arbeitslosengeld und vom Wohngeld. Wir müssen sehen, wie hoch die Kaltmiete ist, was für Neben- und Heizkosten bezahlt wird und was dann am Ende an Geld übrig bleibt. Bei Rentnern müssen wir den Rentenbescheid einsehen. Auch ein Kontoauszug geht. Sind alle Voraussetzungen erfüllt, gibt es den Tafelausweis.“ Einzig die Stromkosten könnten nicht berücksichtigt werden, so die Nordenhamerin.
In Nordenham befindet sich die Hauptstelle der in dieser Region vertretenen Tafel. Gegründet wurde sie im Jahr 2004 von Fred Memenga. Dorthin werden alle Lebensmittelspenden, die die ehrenamtlichen Helfer in den Geschäften abholen, gebracht. Brake ist eine von mehreren Ausgabestellen. Alle Spenden laufen zunächst in Nordenham zusammen, werden dort überprüft, sortiert und anschließend gerecht an alle Standorte verteilt. „Wir achten darauf, dass die Lebensmittel alle noch gut sind. Abgelaufenen Fisch oder Fleisch entsorgen wir sofort. Haben wir Apfeltüten, in denen ein oder zwei Äpfel faulen, nehmen wir auch diese aus der Tüte. Der Rest ist aber noch gut und wird verteilt“, erzählt Dorette Wittje. Durch das genaue Sortieren der Lebensmittel schützen die ehrenamtlichen Helfer andere Lebensmittel vor dem Vergammeln.
Minütlich ist die Traube der Wartenden vor der Braker Ausgabestelle größer geworden. Viele sind gut ausgestattet mit Plastik- oder Leinentüten. Und diese können an diesem Dienstag gut befüllt werden mit Brot, Wurst, Bananen, Pilzen oder Milch. Sogar einen großen Kürbis gibt es dieses Mal. Das ist allerdings nicht der Normalfall. Oft gibt es einfach zu wenig gespendete Ware zum Verteilen. Vor allem Käse, Wurst, Milch oder Joghurt seien laut Dorette Wittje oft Mangelware. Dieses Mal hat die Braker Ausgabestelle der Tafel aber Glück: Kurz vor der eigentlichen Öffnungszeit erreichte sie noch eine letzte Lebensmittelspende. „Vorher sah es hier ganz schön traurig aus“, erzählt Ivonne Grimm, die seit knapp fünf Jahren ehrenamtlich in Brake hilft.
Bis zu 300 bedürftige Menschen kommen jeden Dienstag zu der Braker Tafel. Vor allem zum Ende des Monats nimmt die Zahl derer zu, die auf Hilfe angewiesen sind. Die Ehrenamtlichen sorgen beim Verteilen dafür, dass jeder etwas bekommt. Für die angefallenen Fahrtkosten um die Lebensmittel von Nordenham nach Brake zu transportieren, nehmen sie Spenden. 1 oder 2 Euro im Normalfall. „Aber wenn mal jemand hier ist und sich das nicht leisten kann, schicken wir die Person auch nicht weg“, sagt Wittje. Gleiches gelte auch für Flüchtlinge. „Der Hunger kommt überall“, weiß die Tafel-Organisatorin. „Die Flüchtlinge haben dasselbe Recht wie andere auch.“
Über Spenden – Lebensmittel wie Geld – freuen sich die Mitarbeiter der Tafel immer sehr. Allein 900 Euro Benzinkosten müssen pro Monat abgedeckt werden. Weiteres Geld wird für Lebensmittel ausgegeben. „Die Leute müssen aber wissen: Wenn sie spenden wollen, wird das auf alle Ausgabestellen verteilt. Nur an die Ausgabestelle Brake zu spenden, ist nicht möglich. Wir wollen es fair halten“, betont Dorette Wittje.
