BRAKE - „Ich habe auf die Tasten gedrückt, und es ist nichts passiert“. Als der kleine Eyk an diesem Morgen das Telefon des katholischen Kindergartens ausprobieren will, tut sich nichts. Verwundert erzählt er es seinen Freunden, und auch die haben gemerkt, das etwas nicht stimmt: Der Strom ist weg!
Ganz weg ist er nicht, nur abgeschaltet. Dafür hat Projektleiterin Petra Geßner gesorgt: „Wir haben alles abgeschaltet, alle Hauptsicherungen.“ Dann hat sie gefragt: Was ist anders? Bis den Kindern ein Licht aufgegangen ist. Für einen Tag sind die 43 Jungen und Mädchen zu „Detektiven“ geworden, die dem Strom nachjagen. Petra Geßner lässt sie selber erkunden, was funktioniert und was nicht.
Küche bleibt kalt
Die Aktion soll die Kinder für den „Saft“ aus der Steckdose sensibilisieren. Für viele Leute sei Elektrizität selbstverständlich, sagt Petra Geßner. Die Jungen und Mädchen sollen wahrnehmen, was jeder für sich tun kann, um Strom zu sparen und wie kostbar und bequem der „Saft“ im Grunde ist.
Was das in der Praxis letztendlich bedeutet, wird Eyk und seinen Freunden beim Frühstück klar: Gekocht werden kann nichts, die Küche bleibt kalt. Zum Glück haben die findigen Detektive eine Idee: Dann gibt es eben Müsli und Wackelpudding.
„Das mag ich nicht“
Die gute Laune hält solange an, bis es ans Abwaschen geht. Petra Geßner lässt die Detektive ausschwärmen, um nachzuschauen, ob die Spülmaschine geht. Tut sie nicht, also muss der Abwasch per Hand erledigt werden. Für die meisten ist das ein Riesenspaß, nur ein kleines Mädchen verzieht schmollend das Gesicht und sagt: „Das mag ich nicht“.
Im Flur wird derweil Wäsche gewaschen. Die Detektive haben herausgefunden, dass auch die Waschmaschine nicht funktioniert. Deshalb hat der Kindergarten zwei große Blechzuber aufgestellt. Auf Waschbrettern dürfen die Jungen und Mädchen nun selber schrubben, von Anstrengung bei den Kleinen keine Spur. „Das ist leicht“, sagt Eyk. Spaß mache es, ist die einhellige Meinung. Nur jeden Tag wollen sie so etwas nicht machen.
Märchen bei Kerzenschein
Ohne Strom zu leben bedeutet aber nicht nur Arbeit: In einem kleinen Raum ist Märchenstunde. Bei wohligem Kerzenschein wie zu Omas Zeiten liest eine Erzieherin den Kindern aus Grimms Märchenbuch vor. Da ist schnell vergessen, dass vorher noch kräftig geschrubbt und gespült werden musste. Auch Schattenspiele, das Basteln eines Stromkreises und eine „Philosophenecke“ hat der Kindergarten den Jungen und Mädchen geboten.
Die Informationen zum Thema Strom bekommen die Kinder nicht einfach so vorgesetzt. Sie sollen wissen, dass dieses oder jenes Licht angeht, wenn ein bestimmter Schalter umgelegt wird. Petra Geßner legt zudem Wert darauf, dass die wissenschaftlichen Hintergründe nicht zu kurz kommen. Das soll später im Kindergarten nachgearbeitet werden.
Bis dahin ist der Strom längst wieder eingeschaltet. Die Waschmaschine brummt wieder, es gibt warmes Essen und auch Eyk kann das Telefon wieder benutzen.
