Brake - „Für den Braker Bahnhof ist es 5 vor 12“, mahnt Bürgermeister Roland Schiefke. Und Rolf von Häfen, Vertreter der Deutschen Bahn aus Oldenburg, der am Freitag in Brake zu Gast war, kann das nur bestätigen.
Die Bahn will das Gebäude lieber heute als morgen abreißen und wartet nach Auskunft von Häfens nur darauf, die erforderlichen Mittel bewilligt zu bekommen. Roland Schiefke sieht vor diesem Hintergrund nur eine Möglichkeit, um den ortsbildprägenden Bahnhof noch zu retten: Die Politik müsse endlich die Entscheidung treffen, ihn zum neuen Rathaus umzubauen.
Bagger werden nicht erst anrollen, wenn die Bahn Geld für einen Komplettabriss zur Verfügung hat, sondern bereits am Montag. Dann sollen die südlichen Nebengebäude, die früher ein Buchgeschäft und einen Blumenladen beherbergten, dem Erdboden gleichgemacht werden. Für die Maßnahme hat die DB-Abteilung „Bahnhofsmanagement“ 30 000 Euro aus einem Sonderprogramm zur Verfügung gestellt bekommen.
Aus eben diesem Programm soll auch das Geld für einen Abriss des Gebäudes fließen. „Wenn sich kein Käufer findet, werden wir das gesamte Gebäude für das Programm anmelden und den Bahnhof abreißen, sobald die Mittel bewilligt sind“, macht der Bahn-Vertreter deutlich. Da das in den Jahren 1899 und 1900 nach Plänen des oldenburgischen Baurats Ludwig Klingenberg errichtete Gebäude unter Denkmalschutz steht, werde der Abriss schwierig werden. „Aber es ist machbar“, sagt von Häfen.
Für die Abwicklung des Bahnverkehrs werde das seit 18 Jahren verwaiste Gebäude nicht mehr benötigt, so von Häfen. Die Bahn sehe auch keine Chance, es anderweitig zu nutzen, und werde bis zu einem Abriss nur das Nötigste investieren, um ihrer Verkehrssicherungspflicht nachzukommen. 2014 soll der Bahnsteig in Brake laut von Häfen komplett erneuert und dabei auch in der Höhe den Zügen der Nordwest-Bahn angepasst werden. Dann werde ein Wetterschutz für die Fahrgäste gebaut – und der Bahnhof ist Geschichte.
Rathaus-Wert: 0 Euro
Pläne, die Stadtverwaltung aus dem maroden Rathaus am Schrabberdeich in den Bahnhof umziehen zu lassen und diesen dafür zu sanieren und durch gläserne Anbauten zu ergänzen, werden in Brake schon lange diskutiert. Während der Bürgermeister diese Idee vehement verfolgt, wird sie von der Politik jedoch mehrheitlich abgelehnt. SPD/Grüne halten das Projekt für nicht finanzierbar; die WGB ist ebenfalls skeptisch.
Schiefke glaubt indessen, dass es angesichts der aktuellen Pläne der Bahn gar keine andere Möglichkeit mehr gibt, als die Stadtverwaltung in den Bahnhof einziehen zu lassen. Der Gutachterausschuss des Katasteramtes habe den Wert des Rathauses mit 0 Euro angegeben. Es Stück für Stück zu sanieren, wie von der Politik vorgeschlagen, sei „Nonsens“, ist Schiefke überzeugt.
Das Geld, das für Sanierung und Teilneubau des bestehenden Rathauses aufgewendet werden müsste, sei im Bahnhof besser angelegt. Alle in diesem Zusammenhang relevanten Zahlen und Gutachten lägen auf dem Tisch. Alternative Konzepte, die bereits so weit gediehen seien wie die Nutzung als Rathaus, gebe es für den Bahnhof nicht, so der Bürgermeister.
Bahn will unterstützen
Schiefe und von Häfen versichern, dass die Pläne für eine Nutzung des Bahnhofs als Rathaus bis in die DB-Vorstandsebene hinein auf Wohlwollen stießen. Die Bahn werde die Stadt bei der Umsetzung „so weit wie möglich“ unterstützen, so von Häfen. Den Kaufpreis, den die Stadt zahlen müsste, ließ er offen.
Am Zug sei nun die Politik, sagt Schiefke. Er will im ersten Quartal des neuen Jahres eine Entscheidung herbeigeführt wissen. Und stellt klar: „Wer gegen die Rathaus-Lösung ist, ist auch gegen den Bahnhof – und damit für den Abriss.“
