Memphis/Amsterdam - Milliardenfusion großer Post-Konkurrenten geplant: Der US-Konzern FedEx will sich den niederländischen Mitbewerber TNT Express einverleiben.

Nachdem der amerikanische Rivale UPS mit seinem Übernahmeversuch in Europa vor zwei Jahren an den Wettbewerbshütern gescheitert war, versucht es FedEx jetzt mit einer Kaufofferte über 4,4 Milliarden Euro – deutlich weniger als UPS für TNT auf den Tisch legen wollte.

Wichtigster Rivale in Europa ist die Deutsche Post. Deren Tochter DHL Express verdient mit rasch zu übermittelnden internationalen Sendungen seit Jahren gutes Geld.

Wie FedEx und TNT am Dienstag mitteilten, bieten die Amerikaner acht Euro je Aktie. Der Deal ist abgesprochen: Das TNT-Management empfiehlt seinen Aktionären, die Offerte anzunehmen. Im ersten Halbjahr 2016 soll der Zusammenschluss unter Dach und Fach sein. TNT-Großaktionär PostNL will seine Beteiligung von rund 15 Prozent dabei komplett abstoßen.

Zum Börsenstart am Dienstag sprang die TNT-Aktie um mehr 31 Prozent auf 7,88 Euro nach oben. Die PostNL-Aktie stieg um 15 Prozent.


Der andere große US-Paketdienst United Parcel Service (UPS) war mit seinem 5,2 Milliarden Euro schweren Übernahmeversuch vor gut zwei Jahren nach monatelangem Tauziehen am Widerstand der EU-Kommission gescheitert. Die Behörde sah den Wettbewerb in mehreren europäischen Ländern in Gefahr. Anfang 2013 zog UPS sein Angebot zurück.

FedEx und TNT zeigten sich überzeugt, dass die Aufsichtsbehörden ihren geplanten Zusammenschluss durchwinken. In den relevanten Märkten seien die Wettbewerber stark genug, hieß es zur Begründung.

Post-Chef Frank Appel hatte sich schon bei dem Übernahmeversuch von UPS betont gelassen gezeigt. Die Post wisse aus eigener Erfahrung, wie lange es dauern könne, ein zugekauftes Unternehmen zu integrieren, hatte er damals gesagt.

Mit einem Umsatz von mehr als 45 Milliarden Dollar ist FedEx deutlich größer als TNT Express. Die Niederländer kamen auf 7,4 Mrd Dollar. Während FedEx 2,1 Mrd. Dollar verdiente, steckte TNT mit einem Minus von 195 Millionen Euro in roten Zahlen – bereits das vierte Verlustjahr.