BRAUNLAGE - Es könnte so schön sein: Touristen steigen in Braunlage in einen historischen Zug, die Dampflok pfeift bei der Abfahrt und rollt schnaufend Richtung Brocken. Wie es derzeit aussieht, wird diese Vorstellung aber ein Traum der Westharzer Tourismusmanager bleiben. Denn der Plan, Braunlage an das Netz der Ostharzer Schmalspurbahnen (HSB) anzubinden, ist in Gefahr.
Im niedersächsischen Wirtschaftsministerium sei man nur noch „wenig optimistisch“, dass die dazu erforderliche Strecke nach Elend in Sachsen-Anhalt gebaut werde, sagte Sprecher Christian Haegele am Montag. Der Grund: Die in der jetzt vorgelegten Machbarkeitsstudie genannten Zahlen zu den Kosten.
So würde der Bau der knapp sechs Kilometer langen Trasse entlang der Bundesstraße 27 nicht wie zunächst geschätzt elf, sondern mindestens 12,3 Millionen Euro kosten, sagte Haegele. Zudem komme das von der Bahntochter DB international erstellte Gutachten zu dem Schluss, dass der Betrieb der Strecke nicht ohne Subventionen geführt werden könne.
Den prognostizierten Betriebskosten von etwa 1,4 Millionen Euro pro Jahr stehen nach Angaben des Ministeriumssprechers lediglich Einnahmen von etwa 460 000 Euro gegenüber. „Dies würde einen Dauerzuschuss von fast einer Million Euro pro Jahr erforderlich machen“. Eine solche Dauer-Subvention sei angesichts der schwierigen Haushaltslage des Landes jedoch unrealistisch und „schwer darstellbar“. Eine abschließende Wertung der Expertise stehe noch aus.
Hinzu komme, dass eine finanzielle Beteiligung Sachsen-Anhalts an den Baukosten ungeklärt ist, sagte Haegele. Im Prinzip versprechen sich beide Bundesländer von der Erweiterung des HSB-Streckennetzes zwar zusätzliche Impulse für den Tourismus im Harz. Über die Finanzierung bestehen allerdings schon seit Beginn der Gespräche Anfang vergangenen Jahres unterschiedliche Vorstellungen. Niedersachsen wolle mit der Landesregierung in Magdeburg aber weiter über das Projekt im Gespräch bleiben.
Die Situation sei jedoch „ausgesprochen schwierig“, zumal Sachsen-Anhalt den Anschluss Braunlages an die Schmalspurbahnen mit einer Lift-Verbindung des Ostharzer Wintersportortes Schierke an das alpine Skigebiet auf dem niedersächsischen Wurmberg verknüpfen wolle, sagte Haegele.
„Ein Scheitern des Projektes wäre sehr bedauerlich“, sagte die Geschäftsführerin des Harzer Tourismusverbandes (HTV), Carola Schmidt. „Dies würde viele Ideen für die touristische Entwicklung des Oberharzes ausbremsen“.
