BREMEN - Niels Stolberg, Gründer der angeschlagenen Bremer Beluga-Reederei, hat beim Amtsgericht Aurich Privatinsolvenz beantragt und zugleich schwere Vorwürfe gegen den US-Finanzinvestor Oaktree erhoben. „Oaktree hat mich in die Insolvenz gestürzt“, sagte der frühere Geschäftsführer am Montag gegenüber unserer Redaktion.

Demnach fordere der Investor, der das Management bei Beluga übernommen hat, 131 Millionen Euro von Stolberg, zahlbar auch aus seinem privaten Vermögen. Der Schritt sei schon deshalb erforderlich, um das Vermögen dem unmittelbaren Zugriff von Oaktree zu entziehen und es stattdessen allen Gläubigern im Rahmen eines geordneten Insolvenzverfahrens zur Verfügung zu stellen. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter hat das Amtsgericht den Oldenburger Rechtsanwalt Stefan Hinrichs bestellt.

Mit der Privatinsolvenz sei sichergestellt, dass die zu Stolbergs Vermögen gehörenden Hotel- und Gastronomiebetriebe nicht in die Hände von Oaktree fallen. Er hoffe, dass sie im Rahmen einer Insolvenz restrukturiert und „hoffentlich dauerhaft erhalten werden“, so Stolberg. Das gleich gelte für die zahlreichen gemeinnützigen Einrichtungen, die auf sein persönliches und wirtschaftliches Engagement zurückgingen.

Zugleich trat der 50-Jährige Vorwürfen aus der vergangenen Woche entschieden entgegen, wonach er Spendengelder für die „Beluga School for Life“ in Thailand veruntreut haben soll. „Diese Vorwürfe sind mittlerweile durch einen Wirtschaftsprüfer geprüft worden. Hierbei haben sich sämtliche mir gegenüber geäußerten Vorwürfe als unberechtigt herausgestellt“, sagte Stolberg.

Dies bestätigte auch der ehemalige Bremer Senator und jetzige UN-Sonderbeauftragte Willi Lemke (SPD), der die Vorgänge untersuchte. Es habe keinen Spendenbetrug gegeben. „Das Geld ist ohne wenn und aber geflossen“, sagte er „Radio Bremen“. Er bezeichnete es als „unfair“, was – zumindest im Fall der „Beluga School for Life“ – gegen Stolberg ablaufe.


Derweil plant die angeschlagene Reederei nach Informationen von „Radio Bremen“ zum Jahresende den Umzug nach Hamburg. Zunächst sei der Umzug in ein kleineres Gebäude in der Bremer Innenstadt geplant.

Außerdem koste die Verschlankung der kriselnden Reederei offenbar deutlich mehr Arbeitsplätze als bisher bekannt. Der Finanzinvestor Oaktree will sich demnach auf das Kerngeschäft konzentrieren. 65 Mitarbeiter sollen den Transport von Schwergut organisieren. Dafür steht eine Flotte von 18 Schiffen zur Verfügung.

Nachdem einige Frachter wegen der Insolvenz an der Kette lagen, hat Beluga diesen Bereich am Montag wieder in Betrieb genommen. Wie viele der insgesamt 600 Arbeitsplätze in der Beluga-Gruppe gestrichen werden, ist nicht bekannt. Nach dem Umzug des Firmensitzes soll auch noch der Name „Beluga“ in „Hansa Heavy Lift“ geändert werden. Ein Beluga-Sprecher wollte die Informationen weder bestätigen noch dementieren.