BREMEN - Bei ihren Ermittlungen wegen Betrugs bei der Bremer Beluga-Reederei haben Fahnder das Privathaus von Unternehmensgründer Niels Stolberg auf der Insel Spiekeroog durchsucht. In dem Riesenobjekt sind mehrere Unterlagen beschlagnahmt worden, bestätigte Wolfgang Memenga, Leiter des Kriminal- und Ermittlungsdienstes bei der Polizei Wittmund, am Freitag dieser Zeitung.
An der Aktion am Donnerstagabend seien Kripobeamte aus Bremen und Wittmund, die Staatsanwaltschaft Bremen sowie das Ordnungsamt der Gemeinde Spiekeroog beteiligt gewesen, so Memenga weiter. Auch das Wohnhaus des 50-Jährigen am Zwischenahner Meer sei durchsucht worden.
Wie der Bremer Staatsanwalt Frank Passade mitteilte, hätten auch andere Beschuldigte Besuch von der Staatsanwaltschaft erhalten. Namen nannte er nicht. Die Behörde ermittelt gegen Stolberg und weitere führende Mitarbeiter der Reederei wegen des Verdachts des schweren Betrugs. Sie sollen Umsatzerlöse im dreistelligen Millionenbereich falsch ausgewiesen und so Investoren getäuscht haben.
Derweil konnte bei den Verhandlungen zwischen dem US-Finanzinvestor Oaktree, der seit kurzem bei Beluga das Sagen hat, und Gläubigern auch am Freitag kein Durchbruch erzielt werden. Wir sind weiter in laufenden Gesprächen, sagte Olaf Streuer vom Hamburger Emissionshaus HCI. Wir stellen uns auf alle Eventualitäten ein. HCI hat mit 54 anderen von der Beluga-Krise betroffenen Schiffsgesellschaften die Interessengemeinschaft (IG) Charterschiffe Beluga gegründet, um die Interessen in den Verhandlungen zu bündeln.
Eine dramatische Situation sieht der Bremer Wirtschaftsexperte Prof. Rudolf Hickel bei Beluga. Ich gehe davon aus, dass eine Insolvenz Anfang nächster Woche unvermeidbar ist, sagte Hickel dieser Zeitung. Die Positionen seien verfestigt. Durch ihr rabiates Auftreten verbunden mit der frühzeitigen Androhung einer Insolvenz hätte Oaktree die Verhandlungen zusätzlich erschwert.
Derweil sollen sich nach Angaben des Weser-Kuriers unter den Anlegern, die von der Krise betroffen sind, auch ehemalige Fußball-Nationalspieler und aktive Bundesliga-Profis befinden. Demnach haben sich mehrere Fußballer mit sechsstelligen Beträgen an Beluga-Schiffen beteiligt. Die Reederei gehörte zuletzt zu den wichtigsten Sponsoren von Werder Bremen.
