BREMEN/ELSFLETH/LEER - Die deutsche Seeverkehrswirtschaft spürt die Konjunkturflaute mit Wucht. Aber sie bleibt relativ gelassen. Es werde wie jedesmal sein: Nach der „22. Rezession seit 1741“ werde irgendwann der „23. Boom kommen“, die Weltwirtschaft werde wieder wachsen, sagte Thorsten Mackenthun, Vorsitzer des Bremer Rhedervereins, am Montag beim Festakt zum 125-jährigen Bestehen.

Für eine Krise wie diese gebe es „keine Erfahrungswerte“. Gleichwohl sei er überzeugt, dass es bei der Regel bleibe, nach der sich der Seeumschlag alle sieben bis zehn Jahre verdoppele, sagte Mackenthun. Es müsse alles getan werden, damit die deutschen Reeder und der ganze „maritime Cluster“ gestärkt aus der Krise hervorgingen.

Dazu rief auch Bremens Bürgermeister Jens Böhrnsen auf. Die maritime Wirtschaft müsse sich „so aufstellen, dass wir durchstarten können“, sagte er. Beim Bau des niedersächsisch-bremischen Gemeinschaftsprojektes Jade-Weser-Port werde es „nicht weniger Tempo“ geben.

Bernd Törkel, Abteilungsleiter für Wasserstraßen und Schifffahrt im Bundesverkehrsministerium, rief dazu auf, über das aktuelle Krisenmanagement hinaus mittel- und langfristige Infrastrukturpolitik, Ausbildung und Rückflaggung zu betreiben. Er plädierte für den Ausbau der seewärtigen und der Hinterlandverbindungen. Straße und Schiene stießen an Grenzen. In Kürze werde ein „nationales Hafenkonzept“ vorgelegt.

Hapag-Lloyd-Chef Michael Berendt, der Vorsitzende des Verbandes Deutscher Reeder, wies auf die Bedeutung der Schifffahrt für Bremen hin. Hiesige Reedereien hätten alle „Revolutionen“ der Branche – die Umstellung bei Antrieben (auf Maschinen), Baumaterial (auf Metall), Transportmedien (auf Container) und Globalisierung (weltweite Aktivitäten) gemeistert.


Laut Mackenthun werden von Bremen und Bremerhaven aus aktuell 370 große Schiffe gemanagt. 130 seien bestellt. 7500 Seeleute seien an Bord der Schiff tätig, 1000 Mitarbeiter gebe es an Land. Der Rhederverein werde sich verstärkt zu Wort melden, etwa zu Themen der Infrastruktur und Ausbildung, kündigte Mackenthun an.

Der Verein war 1884 als „Verein der Rheder des Unterwesergebiets“ gegründet worden. Zu den 35 Gründern zählten auch Reeder aus Elsfleth, Brake und Oldenburg. Noch heute haben manche der 26 Mitgliedsfirmen Wurzeln im oldenburgisch-ostfriesischen Raum, etwa Harren & Partner (in Haren/Ems), Carl Büttner (in Leer) oder Beluga (in Bad Zwischenahn).