BREMEN - Frischer Wind nicht nur auf dem Parkplatz vor den Bremer Messehallen, sondern auch in den Köpfen der Aussteller und Besucher: Bei der Offshore-Messe „Windforce 2012“ trifft sich geballte Kompetenz und motivierter Gründergeist der Offshore-Branche. Mehr als 260 Aussteller aus Deutschland, Europa und Übersee präsentieren bis Freitag ihre Produkte und Dienste rund um die Stromerzeugung in Windparks auf hoher See.

Große Branchenpioniere wie EWE („Alpha Ventus“) findet man hier ebenso wie vielfältige Dienstleister wie das Beratungs- und Prüfungsunternehmen GMA (u.a. Varel/Nordenham), die Hafenumschlagfirma J. Müller aus Brake, den Ansiedler Jade-Bay (Wilhelmshaven) oder Zulieferer wie die Siag Nordseewerke (Emden).

Besuchern wird in Bremen schnell klar, wie bunt die Szenerie von Produkten, Dienstleistungen und Berufen in dieser Branche ist – längst ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

Da gibt es zum Beispiel den Diplomingenieur Rainer Holtz vom Bundestechnologiezentrum für Elektro- und Informationstechnik (BFE) in Oldenburg. Auf der Messe „Windforce“ erklärt Holtz, wen das BFE zum Spezialisten für Windkraftanlagen ausbilden kann. „Wir generieren Fachkräfte, die sich um Service und Wartung der Offshore-Anlagen kümmern“, erklärt Holtz und fügt hinzu, dass Fachkräftemangel besonders im Bereich Service und Wartung durchaus ein Problem der Offshore-Branche sei.

Damit die Service-Fachkräfte überhaupt zu den Anlagen auf See kommen, gibt es Unternehmen wie „HeliService international“ aus Bremerhaven. Die Piloten fliegen die Mitarbeiter zu den Anlagen. Die Firma Eurocopter, Weltmarktführer bei zivilen Hubschraubern (Donauwörth), hat einen ihrer Helikopter in der Messehalle aufgestellt.


Um so weit oben, bei Wind und Wetter arbeiten zu können, ist eine professionelle Sicherung unverzichtbar. Die darf auch schon mal pink sein, so wie bei der Firma für Hebetechnik, Lade- und Höhensicherung, „HansaTec“ aus Osterholz-Scharmbeck. Die Firma präsentiert in den Bremer Messehallen überdimensionale Ketten und Karabiner in Prinzessinnen-Rosa.

Falls aber doch mal etwas passiert, ist es wichtig, dass alle Beteiligten genau wissen, was sie im Ernstfall zu tun haben. Dafür trainieren Mitarbeiter, die auch vor Ort auf See arbeiten, zum Beispiel im Offshore-Kompetenzzentrum in Cuxhaven. Hier gibt es „Basic Offshore Safety Induction and Emergency Trainings“ (BOSIET) mit Helikopter oder „Underwater Escape Training“ (HUET), wie Messebesucher erfahren können.

Den internationalen Charakter der Branche spüren Besucher und Aussteller deutlich: Wer an den Ständen vorbeischlendert, hört englische und niederländische Gesprächsfetzen, sieht asiatische Interessenten und liest mehrsprachig übersetzte Prospekte. Für alle, die in der Offshore-Branche mitreden wollen – in welcher Sprache auch immer – ist die Messe einen Besuch wert. Viele Firmen der Branche sind vertreten, nur einen Riesen sucht man vergebens: Enercon. Die Auricher bleiben bisher an Land.

Auch die Probleme der Branche werden artikuliert. Ohne Netzanschluss werde es keinen Offshore-Wind und damit auch keine Energiewende geben, sagte der Geschäftsführer der Windenergie-Agentur WAB, Ronny Meyer. Er forderte die Politik erneut auf, endlich die Rahmenbedingungen für den Anschluss der Windparks an das Stromnetz an Land festzulegen und noch offene Haftungsfragen zu klären.

Sandra Binkenstein
Sandra Binkenstein Thementeam Soziales