BREMEN - BREMEN/HAMBURG/LNI - Weil es dem Hering derzeit im Meer zu kalt ist, fällt der für den 31. Mai geplante bundesweite Start der Matjessaison in Bremen ins Wasser und muss auf einen bislang noch unbestimmten Termin im Juni verschoben werden. Der Fisch habe wegen der kalten Witterung nicht den notwendigen Fettgehalt erreicht, sagte ein Sprecher des Fischinformationszentrums (FIZ) in Hamburg. Frischer Matjes könne frühestens Mitte Juni auf den Markt kommen.

Statt sich nach der Wintersaison dick und rund zu fressen, schwimmt der Hering nach Angaben des FIZ-Geschäftsführers Matthias Keller derzeit noch rank und schlank durch den Nordatlantik. „Der durchschnittliche Fettgehalt liegt bei sechs Prozent, notwendig wären aber 12 Prozent“, sagte Keller.

Die Verschiebung des Saisonstartes sei aber nicht dramatisch. „Eigentlich ist der Termin Ende Mai immer schon etwas zu früh gewesen“, sagte Keller. Der Verband der holländischen Matjesexporteure werde in den nächsten Tagen entscheiden, wann die erste frische Ware geliefert werde. Eindringlich warnte Keller Veranstalter und Gastronomen davor, derzeit mit „neuem Matjes“ zu werben. „Das ist eine Irreführung des Verbrauchers und ein Straftatbestand“, sagte Keller. Der Bundesmarktverband habe bereits erste Abmahnungen verschickt.

Jährlich werden in Deutschland rund 100 Millionen Matjesfilets auf den Markt gebracht. Von dem Gesamtheringsverbrauch von 455 000 Tonnen werden dazu 30 000 Tonnen Fisch zu 15 000 Tonnen Filets verarbeitet. Zu Matjes darf nur junger und noch nicht geschlechtsreifer Fisch verarbeitet werden. Der ein bis zwei Jahre alte Hering wird drei Tage mild gesalzen eingelagert. Zum Schutz vor Parasiten muss Matjes mindestens 24 Stunden tiefgefroren werden.