BREMEN - Jeder dritte Betrieb im Nordwesten misst einer Umfrage zufolge dem Klimawandel schon jetzt eine große Bedeutung für den Firmenerfolg bei. „Die Ergebnisse zeigen, dass der Klimawandel in der Unternehmenswelt angekommen ist“, sagte der Leiter der Studie, Prof. Klaus Fichter von der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, am Donnerstag in Bremen.

„Ganz vorne liegt die Landwirtschaft“, sagte Fichter. Zwei Drittel der Landwirte gaben an, die Folgen des Klimawandels bereits sehr deutlich zu spüren – beispielsweise durch Trockenperioden, Hitze oder Starkregen.

Das bestätigte Bioland-Bauer Heiko Freese aus Rhauderfehn, der an der Studie teilgenommen hat. „Uns machen besonders lange Dürre- und Hitzeperioden in Kombination mit extremen Wetterlagen zu schaffen.“ Dadurch werde der Anbau von Freilandkulturen immer schwieriger. Er bereitet seinen Betrieb schon jetzt auf steigende Risiken vor, indem er zunehmend auf besonders robuste Getreide- und Gemüsesorten setzt. Freese sieht den Klimawandel nicht nur negativ: Die Erwärmung könne die Vegetationsperiode verlängern und damit die Produktion steigern.

„Aus Sicht der Unternehmen liegen sowohl Risiken als auch Chancen im Klimawandel“, sagte Fichter. Wer sich schon jetzt auf die Folgen einstelle und seinen Betrieb entsprechend anpasse, könne in Zukunft Wettbewerbsvorteile erzielen. Ebenfalls stark vom Klimawandel betroffen fühlen sich der Umfrage zufolge Baugewerbe, Immobilienbranche und Gastronomie.

Für die Studie wurden die Antworten von 267 Unternehmen ausgewertet. Dies ist Teil des Forschungsprojekts „Nordwest 2050“, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird. Ziel ist es, gemeinsam mit Akteuren aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft einen langfristigen Fahrplan zur Klimaanpassung für die Metropolregion Bremen-Oldenburg im Nordwesten zu entwickeln.


In den kommenden zehn Jahren erwartet die Mehrzahl der Unternehmen eine deutliche Zunahme extremer Wetter-Ereignisse wie etwa Starkregen. Andere befürchten witterungsbedingte Stromausfälle und Lieferengpässe. 94 Prozent der befragten Unternehmen sind der Auffassung, dass Erderwärmung und Anstieg des Meeresspiegels mehr als nur die Reduzierung klimaschädlicher CO2-Emissionen erfordern. So müssten die Häfen durch kapitalintensive Investitionen gesichert werden, sagte der Umweltdirektor der Hafengesellschaft „Bremenports“, Uwe von Bargen.

Kritisch merkten drei Viertel der Befragten an, dass es keine Informationsquelle gibt, der sie in Sachen Klimawandel vertrauen. Deshalb seien Politik, Kammern und Verbände „dringend gefordert“, sich an einen Tisch zu setzen.

Das Forschungsprojekt „Nordwest 2050“ läuft weiter. Zusammen mit Unternehmen der Region werden in Workshops Anpassungsstrategien für den Klimawandel erarbeitet. Beteiligt sind unter dem Dach der Metropolregion die Unis Oldenburg und Bremen, die Hochschule Bremen, die Agentur für nachhaltige Projekte „Econtur“ und das Forschungsinstitut „BioConsult“.