BREMEN - Der gerade erst aus der Fusion von Nordmilch und Humana hervorgegangene Molkereiriese Deutsches Milchkontor (DMK) verspürt weiteren Wachstumshunger. Weitere Kooperationen, Fusionen und Zusammenschlüsse – auch im Ausland – seien geplant, sagte der Sprecher der Geschäftsführung des größten deutschen Molkereiunternehmens, Dr. Josef Schwaiger, am Montag in Bremen.

„Wir könnten uns vorstellen, in zwei bis drei Jahren eine Milchmenge in zweistelliger Milliardenhöhe zu verarbeiten“, so Schwaiger. Aktuell kommt DMK (unter anderem mit Standorten in Edewecht, Strückhausen, Holdorf und Neubörger im Emsland) auf 6,8 Milliarden Kilogramm.

Den Fokus beim Wachstum will der Molkereigigant mit Hauptsitzen in Zeven (Kreis Rotenburg) und Everswinkel (Kreis Warendorf) verstärkt auf ausländische Märkte richten. Während die Nachfrage außerhalb Europas steige, stagniere sie in Deutschland und Europa. „Daher ist das internationale Geschäft alternativlos“, sagte Rolf Janshen, Geschäftsführer Vertrieb.

Vor allem die Märkte in Russland und China will DMK stärker erschließen. So soll bis Jahresende in China eine eigene Vertriebsniederlassung eröffnet werden. Aktuell erwirtschaftet das Molkereiunternehmen noch 70 Prozent seines Umsatzes im Inland und nur 30 Prozent im Ausland.

In Europa will DMK im „weißen Bereich“ (Milch, Joghurt, Quark) in den nächsten Jahren zum Marktführer aufsteigen. In Deutschland rechnet die Unternehmensspitze wegen des scharfen Wettbewerbs dagegen nur mit einem moderaten Wachstum.


Die ersten Monate als DMK wertete Schwaiger positiv. „Die Umsetzung der Fusion ist gut angelaufen“, sagte er. Schwaiger erwartet bereits im ersten Jahr Einsparungen in zweistelliger Millionenhöhe durch die Fusion. Es werde allerdings noch zu weiteren Umstrukturierungen an den zurzeit noch 24 Standorten und auch zu Personalabbau unter den rund 5500 Mitarbeitern kommen. Zugleich soll weiter investiert werden. So werde in der bestehenden Käserei in Edewecht die Produktion durch einen Umbau deutlich erhöht.

Die genossenschaftlich organisierten Milchverarbeiter Nordmilch und Humana waren Anfang April zu dem neuen Unternehmen mit einem Umsatz von vier Milliarden Euro verschmolzen (Nordmilch 2010: 2,09 Milliarden Euro, Humana: 2 Milliarden). Auch 2011 soll der Umsatz bei klar über vier Milliarden Euro liegen.

Zufrieden zeigte sich die DMK-Spitze mit der Entwicklung des Milchauszahlungspreises an die mehr als 11 000 Landwirte. Mit 32,70 Cent je Kilogramm habe er in den ersten vier Monaten trotz Fusion nur minimal unter dem Preis von Vergleichsmolkereien im Norden (32,97 Cent) und deutlich über dem Vorjahrespreis (27,68 Cent) gelegen. Durch diesen Anstieg seien den Landwirten allein von Januar bis April 350 Millionen Euro mehr zugeflossen als im Vorjahr, rechnete Finanz-Geschäftsführer Volkmar Taucher vor.

Schwaiger zeigte sich optimistisch, dass der aktuelle Milchpreis von 34 Cent bis zum Jahresende zumindest durchgehalten werden könne. Die Verbraucher könnten mit stabilen Preisen rechnen, höchstens bei Butter könne es bis zum Jahresende noch einen leichten Anstieg geben.

Jörg Schürmeyer
Jörg Schürmeyer Thementeam Wirtschaft