BREMEN - Manche mögen's deftig. Nicht nur fromme, auch derbe Sprüche stehen zuweil auf den Spruchbändern, die bei der Kundschaft von Jürgen Bartholdi gut ankommen. Seit fast 20 Jahren verziert der evangelische Theologe aus Bremen nach Biedermeier-Tradition Eier mit biblischen Texten, Liedversen und Lebensweisheiten, um sie auf Ostermärkten anzubieten. Am Gründonnerstag will sie der 70-jährige Ruhestands-Pastor für einen guten Zweck verkaufen. Der Erlös ist für ein Hilfsprojekt bestimmt, das Aids-Waisen im südafrikanischen Simbabwe unterstützt.

Gezielte Handgriffe

Mehr als 3000 Eier sind durch seine Hände gegangen, meist von Hühnern, Enten und Wachteln, selten im XXL-Format vom Strauß. Doch bevor die Papierfahnen auf rätselhafte Weise im Innern der Schalen verschwinden, werden sie mit Feder und Tusche säuberlich beschriftet. „In der ersten Hälfe des 19. Jahrhunderts hat man sich solche Überraschungseier als Freundschaftsgeschenk überreicht“, erklärt Bartholdi.

Die Spruchbänder sind an einem kleinen Holzstäbchen befestigt, mit dem sie sich später mühelos aus dem Ei ziehen lassen. Doch zuvor bohrt Bartholdi in seiner kleinen Dachwerkstatt an beiden Enden des zerbrechlichen Ovals jeweils ein drei Millimeter großes Loch. Auf dem Eier-Bauch ritzt er mit einer kleinen Fräse und reichlich Fingerspitzengefühl einen Spalt in die Schale, durch den er das Textband ins Innere fädelt. Dann spaltet er der Länge nach einen Schaschlikstab aus Bambus – der stabilen Holzfasern wegen – und steckt eine der Hälften durch das Loch ins Ei.

Bartholdi kneift die Augen zusammen und linst durch den Spalt. Nur wenige, gezielte Handgriffe benötigt er. Noch zwei Holzperlen oben und unten dran – fertig ist das kleine Kunstwerk.


Ausgleich zum Beruf

Als Pastor in psychiatrischen Kliniken und bei der Telefonseelsorge hat Bartholdi viele Menschen begleitet, die im Gefühlschaos versanken. Als Ausgleich habe ich mir etwas mit klarer Struktur gesucht, etwas mit Anfang, Mitte und Ende.“ Oft verkauft er die Spruchbandeier für einen guten Zweck. So nun auch wieder am Gründonnerstag im Informationszentrum der Bremischen Evangelischen Kirche „Kapitel 8“ (Domsheide 8) in der Zeit von 12.30 Uhr bis 18 Uhr. Der Erlös ist für das Projekt von Jesuiten-Pater Konrad Landsberg bestimmt, der in Simbabwes Hauptstadt Harare etwa 500 Aids-Waisen unterstützt.

Es sind die kecken und die tröstlichen Sprüche, die dann wohl wieder am meisten gefragt sein werden. Mit den ersten warmen Frühlingstagen wird aber auch Goethes „Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein“ gern genommen. So wie der fein in Fraktur gemalte 23. Psalm, den auch Bartholdi liebt: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.