BREMEN - Ein Anfang ist gemacht als Insolvenzverwalter Edgar Grönda Anfang April den Neustart für die angeschlagene Bremer Beluga-Reederei mit verkleinerter Flotte ankündigte, klang er durchaus optimistisch. Schiffe sollten wieder fahren und Ladung transportieren. Doch der Neustart gestaltet sich offenbar zäher als gedacht. Die verbliebene Beluga-Flotte 17 von einstmals 72 Schiffen kommt nur langsam in Fahrt.
Nach Informationen dieser Zeitung liegt noch immer ein Teil der Schiffe auf Reede. So hängt etwa die Beluga Houston mit 19 Seeleuten schon seit Anfang April im französischen Hafen Lorient fest. Französischen Medienberichten zufolge untersagt das Handelsgericht die Weiterfahrt auch wegen angeblich noch offener Treibstoffrechnungen.
Es sind noch nicht alle Schiffe wieder unter Volldampf unterwegs, räumt Beluga-Sprecher Klaus-Karl Becker ein. Aber wir haben mehr als genug Ladung für alle Schiffe. Die Schwergutschifffahrt funktioniere nicht so einfach wie ein Lichtschalter, den man nur umlegen müsse.
Grundsätzlich zeigte er sich aber optimistisch, dass die Beluga-Flotte schon bald wieder Fahrt aufnehmen und auch wachsen werde. Noch im April soll die Flotte auf 18 Schiffe anwachsen. In China laufe in Kürze die noch vor der Krise bestellte Beluga Tokyo vom Stapel.
Im Laufe des Jahres sollen fünf weitere Frachter, die in China gebaut werden, folgen. Die Finanzierung sei gesichert. Das ist mit den Investoren geklärt, so Becker. Auch die von Piraten gekaperte und jetzt freigekommene Beluga Nomination könnte vermutlich bald wieder zur Flotte dazustoßen. Das Schiff ist in einem guten Zustand, sagte er.
In gutem Zustand befinden sich offenbar auch Teile des Offshore-Geschäfts von Beluga, die nicht von der Insolvenz betroffen sind. So verdichten sich in der Schifffahrtsbranche Gerüchte, wonach Hochtief das Windkraftunternehmen Beluga Hochtief Offshore ein Joint Venture des Essener Baukonzerns mit der Reederei komplett übernehmen könnte.
Zurzeit wird in diesem Bereich ein Errichterschiff für Hochsee-Windparks in Polen gebaut. Ein kompletter Verkauf von Beluga Hochtief Offshore wäre einer der wenigen Bereiche des verbliebenen Reederei-Imperiums mit dem der US-Finanzinvestor Oaktree noch richtig Kasse machen könnte. Von einer zweistelligen Millionensumme ist in Schifffahrtskreisen die Rede.
Es laufen durchgehend ergebnisoffene Verhandlungen in verschiedenen Bereichen, sagte Becker allgemein. Gerüchte bestätigen wir nie, hieß es bei Hochtief. Ein Sprecher des Baukonzerns betonte, dass der Markt für Offshore-Windkraft interessant und die Nachfrage nach Spezialschiffen groß sei. Vielleicht ergibt sich ja in ein bis zwei Wochen schon eine etwas andere Situation, schob er hinterher.
