BREMEN - Die deutschen Reedereien steuern nach einem Bericht des Hamburger Abendblattes auf eine neue Krise zu. Seit im vergangenen Herbst der Preiskampf erneut eingesetzt hat, sinken die Frachtraten und decken zum Teil nicht mehr die Kosten, sagte Burkhard Lemper, Direktor beim Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL/Bremen), der Zeitung.
Die Folgen könnten in der weltweiten Branche, die im Krisenjahr 2009 rund 20 Milliarden Dollar Verlust eingefahren hatte, bedrohlich werden. Der Bremer Experte ist überzeugt: Es besteht die Gefahr eines ruinösen Wettbewerbs.
Hintergrund für die neue Situation in der Schifffahrt ist, dass immer mehr Riesenfrachter mit mehr als 10 000 Stellplätzen für Standardcontainer fertiggestellt werden. Um sie mit Ladung zu füllen und sich Marktanteile zu sichern, setzen internationale Großreedereien auf niedrigere Preise.
Nach den Zahlen des Instituts werden bis Ende 2014 insgesamt 149 Containerfrachter mit mehr als 10 000 Stellplätzen für Container in Betrieb gehen. Zum Vergleich: Bis April dieses Jahres waren erst 78 dieser mehr als 300 Meter langen Riesen unterwegs.
Etwas differenzierter sieht Max Johns, Sprecher des Verbands Deutscher Reeder (VDR/Hamburg), die Situation. Der Preiskampf um Marktanteile betrifft besonders die Linienreedereien, sagte er dieser Zeitung. Die zumeist mittelständischen Charterreedereien, die den deutschen Markt prägten, seien dagegen von der Entwicklung weniger betroffen. Für sie würde sich die Situation erst verschärfen, wenn es auch Kapazitätsprobleme geben würde, sagte Johns weiter. Dies sei aber derzeit nicht der Fall.
Grundsätzlich habe die Branche die Wirtschaftskrise mittlerweile weitgehend hinter sich gelassen. Es gibt noch Nachholbedarf, aber es sieht schon wesentlich besser aus, sagte der Verbandssprecher. So sei die ins Trudeln geratene Bremer Schwergutreederei Beluga ein Einzelfall. Dies könne man schon daran erkennen, dass alle freigewordenen Schiffe von Beluga wieder in Lohn und Brot stehen, so Johns.
