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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Und sie schwimmt doch

22.06.2019

Bremerhaven Es ist genau 9.48 Uhr: Der Rumpf der „Gorch Fock“ schwimmt auf, die letzte Stütze an Steuerbord fällt weg. Das Segelschulschiff der Bundesmarine hat erstmals seit fast dreieinhalb Jahren wieder Wasser unter dem Kiel. Das Schwimmdock der Bredo-Werft in Bremerhaven senkt sich immer weiter ab, stabil liegt das mit grüner Schutzfarbe gestrichene Schiff im trüben Weserwasser. In der unendlichen Saga um die komplizierte und teure Sanierung der „Gorch Fock“ ist am Freitag ein wichtiger Zwischenschritt geschafft.

Noch ist kein einsatzfähiger Segler zu sehen, Masten und Aufbauten fehlen. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen kam extra am Freitag nach Bremerhaven, um nach ihrem Sorgenkind zu schauen. Die Marine muss entscheiden, wie es mit der „Gorch Fock“ weitergeht: Fertigstellen, auch wenn statt geplanter 10 Millionen Euro bereits mehr als 70 Millionen Euro geflossen sind? Als Höchstrahmen sind 135 Millionen Euro festgelegt.

Seit Januar 2016 hat die „Gorch Fock“ bei der Bredo-Werft gelegen, die ein wichtiger Subunternehmer bei der Sanierung ist. In der langen Zeit sei sie ihm schon ans Herz gewachsen, sagte Bredo-Chef Dirk Harms. Nun sehe er sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge gehen. Mit einem lachenden, weil er sich in letzter Minute mit dem Bund über das Ausdocken habe einigen können. Aber die geforderten 5,1 Millionen Euro für offene Rechnungen habe er nicht bekommen. „Das ist das weinende Auge.“

Tatsächlich stand das Ausdocken noch bis Donnerstag infrage. Bredo wollte den Rumpf als Pfand nehmen. Der Bund bestand darauf, dass der Generalauftragnehmer, die Elsflether Werft, alles Geld bereits bekommen habe. Nur ist die insolvent. Nun ist vereinbart, dass der Streit ums Geld vor Gericht ausgetragen wird. Bredo soll dabei aber behandelt werden, als liege der Segler noch dort im Dock. Unter der Hand geben Beteiligte zu, dass ein Scheitern des Ausdockens vermutlich das Ende der „Gorch Fock“ bedeutet hätte.

Mit dem Ausdocken übernimmt nun wieder der Generalauftragnehmer, die Elsflether Werft, die Verantwortung für das Schiff. Er rechne es der Bredo-Werft hoch an, dass sie das Ausdocken ermöglicht habe, sagte der Generalbevollmächtigte der Elsflether Werft, Tobias Brinkmann. Man rechne kommende Woche mit einer Entscheidung der Bundeswehr, ob das Schiff fertiggestellt werde, sagte Axel Birk, Vorstand der Elsflether Werft.

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