BREMERHAVEN - Der Nordwesten ist im Bereich der Ernährungswirtschaft gut aufgestellt, doch nur mit Kooperation wird es gelingen, die Chancen in einer globalisierten Welt zu nutzen. So lautete am Donnerstag der Tenor einer Regionalkonferenz der Metropolregion Oldenburg-Bremen zur Ernährungswirtschaft unter dem Motto „Der Nordwesten in aller Munde“. Rund 400 Branchenvertreter trafen sich in Bremerhaven zum Austausch über neue Herausforderungen. „Die Metropolregion ist der ideale Standort zur Bildung von Netzwerken“, so Gerd Stötzel, Vorsitzender der Metropolregion.
Ewald Drebing, Vorstandsmitglied Metropolregion und Vorsitzender des Agrar- und Ernährungsforums Oldenburger Münsterland, stellte die Bedeutung der Branche heraus. „Die Ernährungswirtschaft ist der wichtigste Zweig in der Metropolregion“, betonte Drebing. Rund 300 Betriebe seien in der Region tätig, die einen Umsatz von mehr als zehn Milliarden Euro erwirtschafteten und 32 500 Menschen beschäftigten. Niedersachsenweit habe nur der Autobau eine noch größere Bedeutung.
Im Bereich Ernährungswirtschaft spiele die Metropolregion in der „Champions League“, befand Hans-Heinrich Ehlen, Landesminister für Landwirtschaft und Ernährung: „In kaum einer anderen Region funktioniert die Wertschöpfungskette vom Acker bis zur Ladentheke so gut.“
Gerhard Berssenbrügge, Vorstandschef von Nestle Deutschland und gebürtiger Friesoyther, stellte einige der Herausforderungen dar, vor denen die Lebensmittelbranche steht. Nicht nur, dass im Zuge des weltweiten Bevölkerungswachstums immer mehr Menschen ernährt werden müssten. Damit einher gehe auch ein Wohlstandswachstum, dessen Befriedigung mehr Ressourcen erfordere. „Wir steuern auf Verteilungskämpfe zu, die nicht in unserem Interesse sein können.“
In der abschließendenDiskussion gingen die Teilnehmer vor allem auf Bereiche ein, in denen es noch Verbesserungsmöglichkeiten gibt. Gert Stuke, Deutsche Frühstücksei (Neuenkirchen) und Vizepräsident der Oldenburgischen IHK, sah noch großes Potenzial in der Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft. „Hier müssen noch Schwellenängste überwunden werden.“ Fritz Stegen, Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, mahnte mehr Interesse an den Hochschulen für praxisorientierte Forschung an.
Beklagt wurde der Fachkräftemangel. „Ich kenne keinen Betrieb in der Region, der keine Fachkräfte sucht“, sagte Prof. Dr. Klaus Lösche vom Forschungsdienstleister ttz Bremerhaven. Um die Fachkräfte zu gewinnen, müsse die Bildung möglichst frühzeitig ansetzen. „Das Elternhaus legt die Grundlagen der Erziehung“, befand Jürgen Hemmerling, Präsident der Handwerkskammer Oldenburg.
