BRETTORF/BUENOS AIRES/USHUAIA - Schon auf der Strecke von Buenos Aires nach Ushuaia beginnt das Abenteuer: Bei El Condor in Punta Bermeja sind wir überwältigt von der vielleicht weltgrößten Kolonie von Seelöwen, über 7000 Tiere gibt es hier. Auf der Halbinsel Valdes beobachten wir die Südkaperwale, die bis zu 18 Meter lang und 80 Tonnen schwer werden können, wie sie mit ihren Jungen neugierig um unser Boot spielen. Die Wale kommen hier in die geschützte Bucht, um ihren Jungen das Schwimmen beizubringen.
Als nächstes machen wir einen Abstecher nach Punta Tomba. Hier ist die größte Kolonie von Magellan-Pinguinen Südamerikas, bis zu zwei Millionen kümmern sich um ihren Nachwuchs. Ein steiniger Landstreifen, der 3,5 Kilometer ins Meer hinein reicht, wird zum Kinderzimmer. Dort werden Höhlen gebaut.
Natürlich dürfen wir auch am Bosqúe Petrificado, dem versteinerten Wald, nicht vorbeifahren. Während der Jura-Zeit vor 150 Millionen Jahren standen hier über 30 Meter hohe Bäume, die durch starke Vulkanausbrüche verschüttet wurden und nun durch Erosion wieder ans Tageslicht kommen. Die Bäume sehen aus, als wären sie gerade gefällt worden.
Wo genau Patagonien beginnt, darüber gehen die Meinungen auseinander. Wir merken es daran, dass wir keine Ansiedlungen mehr sehen. Auf einer Fläche, die doppelt so groß wie Deutschland ist, leben 1,4 Menschen pro Quadratkilometer. Das Land teilen sich Schafe und Guanakos (eine kleine Kamelart) mit einigen Nandus.
Schließlich stehen wir an der Magellan-Straße und warten mit einigen Lastwagen auf die Fähre, die uns nach Feuerland übersetzen soll. Hier entdeckte Fernando Magellan 1520 den Seeweg in den Pazifik, Kap Hoorn wurde erst 1616 umrundet. Endlich erleben wir Feuerland – für mich ein Ziel meiner Sehnsüchte. Während Patagonien weitgehend flach und ohne Baumbestand ist, die Steppe sogar vielfach magerer als wir sie in Afrika vorgefunden hatten, zeigt sich Feuerland als hügeliges Land in weiten Teilen baumbestanden mit verschiedenen Scheinbuchenarten (Nothofagus). Wir erreichen Ushuaia, die südlichste Stadt der Welt. Dann stehen wir am Ende der Ruta 3 an der Bahia Lapataia, einer Bucht am Beagle-Kanal. Nach einer Fahrt auf dem Beagle-Kanal, heißt es: Ab jetzt Generalrichtung Nord!
Das bedeutet, sich an die Schotterpiste zu gewöhnen, die Asphaltstraßen sind vorbei. Ungefähr 1600 Kilometer werden wir in unserem Wohnmobil gehörig durchschüttelt. Wir können unter diesen Bedingungen nicht mehr als 25 Stundenkilometer fahren. Dafür ist die Landschaft atemberaubend. Im Nationalpark Torre del Paine sind wir beeindruckt von den schroffen, teils schneebedeckten Gipfeln bis 3050 Meter. Nicht nur für uns Flachländer einfach unbeschreiblich schön.
Der nächste Höhepunkt lässt nicht lange auf sich warten: Der Nationalpark Los Glaciares. Er ist Teil des Campo de Hielo Patagónico Sur, der das größte Süßwasserreservoir (in gefrorener Form) in Südamerika ist. Zugleich ist er das drittgrößte Gletscherfeld nach der Antarktis und Grönland. Hier staunen wir über 60 Meter hohe und fünf Kilometer breite Gletscherzungen und zucken zusammen, wenn sich Eisstücke lösen und mit lautem Klatschen ins Wasser fallen, um als Eisberge ihren Weg fortzusetzen.
Seit 1000 Kilometern befinden wir uns auf der Ruta Nacional 40. Die längste und berühmteste Nationalstraße Argentiniens durchquert den gesamten Westen des Landes, mit der Ausnahme Feuerlands, von Süd nach Nord. Die Straße ist trotz Verbesserungen in den letzten 30 Jahren auf einigen Streckenabschnitten fast nur mit geländegängigen Fahrzeugen befahrbar. Sie überquert unter anderem den höchsten befahrbaren Straßenpass der Welt, den Abra del Acay (4905 Meter hoch). Da es keine andere Straße in den Norden gibt, müssen wir diese Herausforderung bestehen!
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